Scheinbar aus dem Nichts schlugen die Terroristen des Islamischen Staats (IS beziehungsweise Isis) vor wenigen Monaten das erste Mal zu. Heute sind zehntausende Menschen im Irak vor den Kämpfern auf der Flucht. Selbst im Westen verbreitet die Terrormiliz Angst und Schrecken: Ein amerikanischer Fotojournalist wurde vor wenigen Tagen kaltblütig enthauptet, selbst der Papst schaltete sich ein. Die Terroristen melden sich fast täglich mit Lösegeldforderungen und Morddrohungen gegenüber ihren weiteren Geiseln.

Der US-Verteidigungsminister bezeichnete die IS als extreme Bedrohung für die Vereinigten Staaten. «Es ist weit mehr als eine Terrorgruppe», sagte Chuck Hagel im Pentagon vor den Toren Washingtons. Sie sei «so hoch entwickelt und gut finanziert wie keine andere». 

Doch wie konnte der Aufstieg der IS so schnell und reibungslos gelingen? Fakt ist: Die Organisation geht auf den im Jahr 2006 getöteten jordanischen Al-Kaida-Terroristen Abu Musab al-Zarqawi zurück. Seit seinem Tod ist Isis in den Händen von Irakern, aktuell gilt Abu Bakr al-Baghdadi als Chef der Bande – er hat sich zum «Kalifen» ernannt.

Antiquitäten und Wegezölle als Geldquelle

Isis' Aufstieg ist eng mit dem Bürgerkrieg in Syrien verknüpft. Die Gruppe agierte auf der Seite der Assad-Gegner, überwarf sich aber später mit früheren Verbündeten, die auch aus dem Al-Kaida-Netzwerk entstanden (Al-Nusra-Front). Vor allem im syrischen Raqqa, das seit langer Zeit fest in Isis-Hand ist, zeigte sich schon früh, wie die neuen Herren Geld eintreiben: So mussten etwa religiöse Minderheiten, darunter auch Christen, Gelder bezahlen, damit sie nicht behelligt werden.

Neben einfacher Erpressung nach Mafia-Methoden treiben die Isis-Terroristen in ihrem Herrschaftsgebiet Strassenzölle ein – dafür wird Reisenden und Lastwagenfahrern «Sicherheit» garantiert. Neben Entführungen mischt Isis auch im Schmuggel mit – bevorzugt mit Antiquitäten. Geplündert werden nicht nur Museen, sondern auch Grabstätten. Die Kunstwerke landen über wenige Stationen im Westen und werden dann meist über Auktionen legal verkauft.

Erbeutete Ölfelder und Katar

Weit grössere Bedeutung haben aber die Ölfelder, die Isis im Laufe dieses Jahres erbeuteten. Täglich verkaufen die Gotteskrieger Rohöhl im Wert von 3 Millionen Dollar für einen Spottpreis. So verlangen sie zwischen 30 und 60 Dollar das Barrel, während der Weltmarktpreis um die 100 Dollar liegen würde. Die Schmuggelnetzwerke, um das Rohöl in den Westen zu bringen, bestehen seit Jahren, es gab sie bereits unter dem irakischen Diktator Saddam Hussein. Ein Grossteil der Öllieferungen landet in der Türkei.

Dass Isis überhaupt existiert, verdankt die Organisation auch grosszügiger Spender – meist Stiftungen –, die im Land selbst nicht ihren Sitz haben. Der deutsche Bundesentwicklungsminister Gerd Müller nannte in einem TV-Interview Katar beim Namen. Jenes Katar, das die Fussball-WM in acht Jahren austragen wird. Wie schon zu Zeiten der Al-Kaida kann Isis auch auf reiche Gaben aus Saudi-Arabien zählen.

Neben Einkäufen auf dem Graumarkt sorgen auch Militärbestände der USA für reichlich Nachschub bei Waffen. Die Amerikaner liessen sie nach ihrem zweiten Irak-Krieg im Land zurück.

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