Die selbst ernannte finnische Bürgerwehr «Soldaten Odins» gewinnt zunehmend auch in anderen skandinavischen Staaten und dem Baltikum an Einfluss. Mitte Februar hielt die fremdenfeindliche Gruppe ihr erstes Treffen in Estland ab und ging erstmals in Norwegen auf Patrouille. Die Behörden in beiden Ländern beobachten dies mit Sorge.

«Selbsternannte Aufpass-Gangs erhöhen absolut nicht das Sicherheitsgefühl der estnischen Bevölkerung, eher im Gegenteil», kritisierte Estlands Ministerpräsident Taavi Roivas auf Twitter. Der Baltenstaat mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern beherbergt praktisch keine Asylbewerber oder Flüchtlinge. Dennoch wollen die «Soldaten Odins» mit ihren schwarzen Jacken mit dem aufgedruckten Bild eines Wikinger-Helms dort demnächst erstmals auf Patrouille gehen.

«Asyl-Thema gibt der rechten Szene Nahrung»

Auch in Norwegen ist die Polizei besorgt, wie sich die Ankunft von etwa 31’000 Asylbewerbern im vergangenen Jahr auf die rechtsextremen Gruppen auswirken wird. «Die Bedrohung am rechten Rand wächst unserer Einschätzung nach», heisst es in der jüngsten polizeilichen Beurteilung der Sicherheitslage. «Das Asyl-Thema gibt der rechten Szene neue Nahrung, es hilft bei der Radikalisierung und der Rekrutierung.»

Die Gruppierung «Soldaten Odins» hat sich nach dem König der Götter in der nordischen Mythologie benannt. Sie sieht ihre Aufgabe nach eigener Darstellung darin, die Einheimischen vor Immigranten zu schützen und die Augen und Ohren der Polizei zu sein, die überlastet sei.

Polizei stoppt Nazi-Patrouillen

In Norwegen patrouillierten die «Soldaten Odins» zum ersten Mal am 13. Februar in Toensberg, etwa 100 Kilometer südlich von Oslo, und später auch an anderen Orten. Einige Patrouillen wurden allerdings von der Polizei gestoppt. In Kristiansand im Süden des Landes etwa durften die «Soldaten Odins» auf Anordnung der Sicherheitskräfte nur Brötchen und Kaffee verteilen. «Die 'Soldaten Odins' haben nichts damit zu schaffen, wenn es darum geht, unsere Strassen sicher zu halten. Gefährliche Werte», warnte die norwegische Ministerpräsidentin Erna Solberg auf Twitter.

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(reuters/gku/ama)