Der Anteil an Frauen in Verwaltungsräten liegt bei Schweizer Unternehmen mit lediglich 11,6 Prozent unter dem europäischen Durchschnitt von 15,6 Prozent. Nachdem auf freiwilliger Basis diese Quote kaum verbessert worden ist, setzt Bundesrätin Simonetta Sommaruga nun auf eine staatliche Regulierung.

Im Zug der Aktienrechtsrevision schlägt das Bundesamt für Justiz aus ihrem Departement vor, eine Quote von 30 Prozent Frauen für die Verwaltungsräte von börsenkotierten Firmen gesetzlich zu verankern. Dies schreibt die «NZZ am Sonntag».

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Vorschlag geht weiter als Zielvorgaben der EU

Die Sozialdemokratin will den Unternehmen eine Übergangsfrist von mehr als zehn Jahren einräumen. Sommaruga orientiert sich an den Vorgaben für die bundesnahen Betriebe wie Post und Swisscom. Diese müssen gemäss einem Bundesratsentscheid von 2013 schon bis 2020 eine 30-Prozent-Quote erreichen. Der Vorschlag aus dem Justizdepartement geht insgesamt aber weniger weit als die vergleichbaren Zielvorgaben in der EU.

Auch die Übergangsfrist ist grosszügig angelegt: Brüssel strebt eine Frauenquote von 40 Prozent bis 2020 an. Trotzdem stösst Sommarugas Vorhaben beim Wirtschaftsdachverband  auf Ablehnung. Zwar anerkennt Economiesuisse, dass mehr Frauen in den höchsten Gremien der Unternehmen wünschbar wären. Er will dies aber über freiwillige Massnahmen erreichen.

So läuft es bei den bundesnahen Unternehmen

Im vergangenen Herbst wurde beschlossen, dass bei bundesnahen Unternehmen wie der Post oder der SBB bis 2020 mindestens jede dritte Person im Verwaltungsrat eine Frau sein soll. Der Kanton Basel-Stadt hat eine Quote von 33 Prozent für Verwaltungsräte staatsnaher Unternehmen.

Befürworterinnen und Befürworter einer Frauenquote betonen, dass sich in der Schweiz beim Thema Frauen in Führungspositionen kaum etwas bewegt. «Fakt ist, dass in der Schweiz der Anteil von Frauen in Kaderpositionen seit 1996 nur von 29 auf 33 Prozent gestiegen ist», sagte Clelia Bieler von der Hochschule für Technik FHNW, vor wenigen Wochen im Interview. «Der Grossteil dieses Anstiegs fand jedoch bis 2002 statt. Seitdem ist der Anteil stagniert.»

(moh)