Der Kongress von Travailsuisse hat Adrian Wüthrich zum neuen Präsidenten gewählt. Er wolle den Gewerkschaftsdachverband als eigenständige Stimme auf der nationalen Politik-Bühne einbringen, sagte der 35-Jährige am Samstag vor den Delegierten.

Wüthrich nannte drei grosse Themen, welche Travailsuisse in den nächsten vier Jahren beschäftigen würden: Die Bilateralen Verträge, bei denen er sich auch bei den europäischen Partnern für verbesserte flankierende Massnahmen einsetzen werde. Denn nur so könnten die Löhne und Arbeitsbedingungen in der Schweiz geschützt werden.

Weiter dürfe die Sicherung der Altersvorsorge nicht zu Lasten der Beschäftigen erfolgen. Und schliesslich müsse in der Klimapolitik eine internationale Lösung gefunden werden, um den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Denn gerade dieser Sommer habe gezeigt, dass die Erderwärmung auch in der Schweiz negative Auswirkungen auf die Arbeitnehmenden haben könne.

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SP-Mitglied und Grossrat

Der 35-jährige Wüthrich war bereits im März vom Vorstand zum Nachfolger von Martin Flügel nominiert worden. Er sitzt seit fünf Jahren für die SP im Grossen Rat des Kantons Bern, wie Travailsuisse am Samstag mitteilte. Er ist ausserdem Fraktionsvizepräsident und Exekutivmitglied der Gemeinde Huttwil.

Zudem steht er dem Polizeiverband Kanton Bern als Präsident vor. Im Oktober kandidiert er für den Nationalrat. Derzeit arbeitet Wüthrich als Fachspezialist Verein + Gesellschaft im Zentralsekretariat der SRG SSR. Er hat einen Master in Public Management und Politik mit Schwerpunkt Management im öffentlichen Sektor der Universität Bern.

Gegen Entwertung der Arbeit

Der Kongress des zweitgrössten Arbeitnehmerdachverbandes findet nur alle vier Jahre statt. In diesem Jahr steht er unter dem Thema «Für Arbeit mit Zukunft». Dabei gehe es darum, der laufenden Entwertung der Arbeit entgegen zu treten, hiess es in einer früheren Mitteilung.

Denn die meisten Menschen wollten arbeiten. Aber zu viele Arbeitnehmende seien gezwungen, frühzeitig aus dem Arbeitsleben auszuscheiden, weil sie durch die Arbeit krank geworden seien, von den Unternehmen als zu alt betrachtet würden oder auf dem Arbeitsmarkt chancenlos blieben.

«Gute Arbeit»

Das Ziel von Travailsuisse sei es nicht, möglichst viele Arbeitnehmende möglichst früh in die Rente zu führen. Vielmehr kämpfe die Gewerkschaft für Arbeitsbedingung, die mit dem Privat- und Familienleben vereinbar seien und «uns nicht kaputt machen».

In diesem Zusammenhang hatte Travailsuisse am Freitag den Barometer «Gute Arbeit» vorgestellt, eine repräsentative Untersuchung bei 1500 Erwerbstätigen zur Qualität der Arbeitsbedingungen in der Schweiz. Dieser soll in Zukunft regelmässig erhoben werden, um Veränderungen auch über einen längeren Zeitraum aufzeigen zu können.

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