SP-Nationalrat Jean Christophe Schwaab ist nicht überrascht über das deutliche Ja zur Abzockerinitiative. Er sieht darin ein «sehr positives Signal» für andere bevorstehende Initiativen, die ebenfalls in Richtung mehr staatlicher Regulierung für die Wirtschaft zielen.

Das Resultat bestätige die Umfragen und die Rückmeldungen auf der Srasse, sagte Schwaab. Er habe selten eine Abstimmung erlebt, bei der die Leute «derart offen ihre Meinung geäussert haben». Dies sei «ein klarer Stopp» für missbräuchliche Gehälter, «gegen oben wie gegen unten». Die 1:12-, die Mindestlohn- sowie die Erbschaftssteuerinitiative sieht Schwaab nun im Aufwind.

Weiter wertet der Waadtländer Nationalrat als positives Zeichen, dass sich die Stimmbürger «von der Angstmacherkampagne des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse nicht beeinträchtigen liessen». Die Umsetzung der Initiative müsse im Parlament nun schnell vonstatten gehen, denn grundsätzlich sei «alles gesagt».

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Start zur «1:12-Initiative»

Heute, am Tag der Abstimmung über die Abzocker-Initiative, lanciert die Linke die nächste Debatte um hohe Managergehälter: den Abstimmungskampf zur 1:12-Initiative, über die voraussichtlich im September entschieden wird.

SP-Nationalrat Cédric Wermuth (AG), der 2009 als Juso-Präsident die Initiative lanciert hatte, setzt dabei auf eine unkonventionelle Idee, wie die Zeitung «Der Sonntag» erfahren hat: Er geht mit seinem Referat «Nehmt den Reichen das Geld weg» auf Tour – und zwar zu den Menschen nach Hause, oder er besucht sie an ihrem Arbeitsplatz.

Einzige Voraussetzung: Die interessierten Familien, Wohngemeinschaften oder Bürokollegen organisieren mindestens zehn Personen und sorgen für das Essen. Es gebe keine ideologischen Barrieren, verspricht Wermuth. «Ich gehe zu allen, die mich einladen. Auch zu jenen, die mich überzeugen wollen, dass die 1:12-Initiative schlecht ist.»

Geld will Wermuth für seinen Auftritt keines. «Ich esse ja mit.» Für den SP-Nationalrat ist die Tour durch die Haushalte kein «Gag», wie er betont. «Wir Politiker sollten grundsätzlich versuchen, wieder mit den Menschen direkt in Kontakt zu treten. So können wir auch das Vertrauen in die linke Politik stärken.»  Wermuths erste Tour startet nach der Frühjahrssession und dauert bis Mitte Juli.

(aho/awp)