Für Ex-Schatzmeister Luis Bárcenas kommt es knüppeldick: Weil die Richter Flucht und Beweisvernichtung befürchten, stecken sie ihn in Untersuchungshaft im Gefängnis Soto del Real in Madrid. Bárcenas ist eine Schlüsselfigur im «Fall Gürtel», wo es um versteckte Parteifinanzierung mit Schwarzgeld in zweistelliger Millionenhöhe geht. Die Affäre bedroht auch den spanischen Regierungschef Mariano Rajoy. Der Premierminister steht im Verdacht, regelmässig durch Bárcenas Schwarzgeld erhalten zu haben.

Der untersuchende Staatsanwalt im Fall «Gürtel» Pablo Ruz vernahm Bárcenas zwei Stunden lang, ebenso seine Frau Rosalia Iglesias und Strohmann Ivan Yanez. Beide konnten das Justizgebäude anschliessen wieder verlassen, im Gegensatz zu Bárcenas, dem im Februar bereits der Pass weggenommen wurde.

Lügen und Schlaumeiereien

Im Januar ermittelten Schweizer Behörden, dass Bárcenas hier über Schwarzgeldkonti verfügte. Die Summe stieg bis heute auf 48 Millionen Euro - zu Beginn der Untersuchung war der Betrag mit 28 Millionen bedeutend kleiner.

Die Untersuchungshaft verdankt Bárcenas seinen Lügen gegenüber der Staatsanwaltschaft. So entdeckten die Ermittler, dass grosse Teile der Gelder im vergangenen Februar aus der Schweiz nach den USA, Uruguay und den Bahamas abgezügelt wurden. Dabei geht es um die 25 Millionen, die bei der Bank Lombard Odier gebunkert wurden und von denen im Februar nur noch 9 Millionen übrig waren. Weitere 22 Millionen Euro fanden die Ermittler auf Konti der Deutschen Bank (früher Dresdner Bank). Bárcenas hatte im Februar nur 38 Millionen zugegeben.

Offenbar versuchte Bárcenas zudem, im Zuge einer Steueramnestie, 10 Millionen zu legalisieren - indem er den Steuerbehörden wiederum falsche Angaben machte.

Staatsanwalt Pablo Ruz schreibt in seiner Anklageschrift, dass Luis Bárcenas die Konten in der Schweiz mit Kommissions-Geldern füllte, die er von Firmen für öffentliche Aufträge erhielt, die im «Fall Gürtel» untersucht wurden. Als die Affäre Gürtel 2009 bekannt wurde, begann Bárcenas, die Gelder aus der Schweiz abzuziehen.

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