Kriminelle Wettgeschäfte gefährden einer Studie zufolge immer stärker die Zukunft des Sports. Jährlich werden durch Sportwetten illegale Gelder in Höhe von 140 Milliarden Dollar gewaschen, wie aus einer Studie der Sorbonne-Universität in Paris sowie des Internationalen Zentrums für Sportsicherheit (ICSS) hervorgeht. Ausserdem breiteten sich wegen gravierender Lücken in der Regulierung dieser Geschäfte Spielmanipulationen immer mehr aus.

Problem verschärft sich

«Das Problem verschärft sich», warnte ICSS-Präsident Mohammed Hanzab. «Wenn wir nichts dagegen tun, wird der Sport künftig als Arena der Korruption betracht.» Als Gegenmassnahmen empfiehlt er die Einrichtung eine Besteuerung von Sportwetten, um Betrugsermittlungen zu finanzieren, sowie eine engere Kooperation zwischen Wettfirmen und Sportorganisationen.

Der Untersuchung zufolge werden 80 Prozent der weltweiten Sportwetten in illegalen Märkten abgewickelt, auf die Behörden keinen Zugriff haben. Auf Asien entfielen 53 Prozent der illegalen Wetten. Der legale Markt sei zu 49 Prozent in Europa beheimatet. Hochburgen seien England und Malta.

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Fussball und Cricket im Visier

Der technologische Fortschritt und die wachsende Zahl der Liveübertragungen haben das Geschäft gewaltig vorangetrieben. Die Zahl der Sportereignisse nahm massiv zu. Auch kurzfristige Wetten noch während der Veranstaltungen sind inzwischen möglich. «Die schnelle Entwicklung des weltweiten Sportwetten-Markts erhöht das Risiko einer Unterwanderung durch das organisierte Verbrechen und Geldwäsche», sagte ICSS-Experte Chris Eaton, der früher Sicherheitschef des Weltfussball-Verbandes Fifa war.

Am stärksten von Kriminalität betroffen seien Fussball und Cricket, stellten die Autoren fest. Als ausserdem besonders gefährdet nennen sie Tennis, Basketball, Motorsport und Badminton. In Deutschland hatte der Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer im Jahr 2005 die Fussballwelt erschüttert.

Das International Centre for Sport Security hat seinen Sitz in Katar. Dort findet 2022 die Fussball-Weltmeisterschaft statt. Kritiker hatten die Vergabe als nicht transparent angeprangert. Ausserdem wird dem Emirat vorgeworfen, Gastarbeiter auf WM-Baustellen zu schikanieren und auszubeuten.

(reuters/chb)