Für die SRG-Spitze ist das deutliche Nein zur No-Billag-Initiative nicht nur eine Bestätigung, sondern auch ein Neuanfang. Sie kündigte deshalb noch am Sonntag Reformpakete an: Diese beinhalten neben den Sparmassnahmen auch den Verzicht auf Werbung bei abendlichen Spielfilmen und auf Texte ohne Verbindung zu einem Audio oder Video auf den Info-Online-Seiten.

Generaldirektor Gilles Marchand sagte vor den Medien in Bern, dass sich die SRG ab sofort in einem «permanenten Reformprozess» befinde. «Wir haben die Kritik im Abstimmungskampf gehört.» Die SRG müsse sich dort reformieren, wo es gehe.

Ausserdem will die SRG den privaten Schweizer Medienanbietern ihre Archivinhalte zur Verfügung stellen, wie das Unternehmen in einem Communiqué nach der Abstimmung am Sonntag mitteilte. Sie wolle weiter auch keine regionale zielgruppenspezifische Werbung anbieten, auch wenn das dereinst regulatorisch möglich würde.

Offen für Kooperationen

Weiter erklärte sich die SRG bereit, gemeinsam mit anderen Schweizer Radiostationen einen nationalen Radio-Player aufzubauen. Und sie zeige sich offen für Kooperationen beim Betrieb der Musiksender Swiss Pop, Swiss Jazz und Swiss Classic.

Insgesamt kündigte die SRG wegen der Gebührensenkung und der Plafonierung der Einnahmen und der sinkenden Werbeerlöse Sparmassnahmen in der Höhe von 100 Millionen Franken an. Sie werde bei der Infrastruktur, in der Verwaltung, in der Technik, bei den Immobilien, den Produktionsprozessen und in der Distribution sparen und effizienter werden.

Hälfte der Gebühren für Information

50 Prozent der Gebühreneinnahmen sollen künftig in «ausgewogene Information in vier Sprachen» fliessen, sagte Marchand weiter. Und die SRG werde das Engagement bei der einheimischen Kulturproduktion, insbesondere beim Film und den Serien, noch weiter fördern.

Anzeige

Zusätzlich setze sie in Zukunft auf die Verbesserung des digitalen Angebots. Dazu wolle sie eine mehrsprachige Plattform bauen, die es erlaube, dem Publikum möglichst alle SRG-Produktionen aus allen Sprachregionen mit entsprechender Übersetzung zugänglich zu machen.

Auch Stellenabbau angekündigt

Ab 2019 sollen in einem ersten Schritt 80 Millionen Franken eingespart werden. Wo, wie, und um wie viel konkret abgebaut wird, ist noch unklar. «Es geht aber auch um Arbeitsplätze», sagte Marchand. Die SRG werde den Abbau mit den Sozialpartnern besprechen und zu gegebener Zeit kommunizieren.

Denn zum einen erhält die SRG ab 2019 nur noch 1,2 Milliarden Franken aus dem Gebührentopf – 40 Millionen Franken weniger als heute. Zum anderen kämpft sie mit rückläufigen Werbeeinnahmen

Resultat deutlicher als erwartet

Die SVP und der Gewerbeverband, welche die Initiative unterstützt haben, müssen eine Niederlage hinnehmen. Die Initianten - Mitglieder der Jungfreisinnigen und der Jungen SVP aus dem libertären Milieu - können allerdings für sich in Anspruch nehmen, eine laute Diskussion über den medialen Service public ausgelöst zu haben.

Obwohl die Gegner erleichtert sind, wollen auch sie nicht, dass es weitergeht wie bisher. Die SP etwa fordert einen stärkeren Schutz für die Medien. «Jetzt müssen Lösungen für eine sinnvolle und nachhaltige Finanzierung unserer Medienwelt gefunden werden», sagte Parteipräsident Christian Levrat. Von rechts bis links scheint klar zu sein: Die Arbeit hat gerade erst begonnen.

71,6 Prozent der Stimmenden und sämtliche Stände hatten Nein zur No-Billag-Initiative gesagt. Damit stellte sich die grosse Mehrheit hinter die Radio- und Fernsehgebühren und damit auch hinter den medialen Service public.

(sda/mlo)