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Staatliche Pensionskassen spekulieren mit Agrargütern

Auch Mais wird an Rohstoffbörsen gehandelt. (Bild: Keystone)

Viele Pensionskassen von Kantonen und Staatsbetrieben investieren in Mais und Rind - Anlagen mit spekulativem Charakter.

Veröffentlicht am 24.02.2013

Diese Woche geriet die Pensionskasse der Stadt Zürich in die Kritik, weil sie einen Teil ihres Anlagevermögens in Agrargüter investiert hat.

Doch die Stadtzürcher Vorsorgeeinrichtung ist kein Einzelfall, wie eine Umfrage der Zeitung «Der Sonntag» bei den Pensionskassen von Bund, mehreren Kantonen und den staatsnahen Betrieben zeigt: Neun von zwölf der befragten Vorsorgeeinrichtungen investieren in Agrarrohstoffe: in Mais, Weizen, Sojabohnen, Baumwolle, Kaffee, Kakao und Lebendvieh, das heisst in Rinder und Schweine.

Bis 1,2 Prozent Agrargüter

Der Anteil Agrargüter und Vieh am Gesamtvermögen variiert je nach Kasse zwischen 0,3 und 1,2 Prozent, der Geldbetrag zwischen 11 und 80 Millionen Franken. Daran wollen die Kassen nichts ändern. «Ein Ausstieg ist zurzeit nicht vorgesehen», sagt etwa der Geschäftsführer der Swisscom-Pensionskasse André-Pierre Schmidt.

Ausnahmen sind die Pensionskassen des Bundes (Publica) sowie jene der Kantone Zürich und Bern. «Anlagen in Nahrungsmittel wie zum Beispiel Weizen oder Mais sind nicht zulässig», erklärt Florian Küng von der Zürcher BVK mit Verweis auf einen Regierungsratsbeschluss. Investitionen in andere Rohstoffe wie Erdöl oder Metalle hingegen sind bei der BVK und der Publica erlaubt.

Berner verzichten

Die Bernische Pensionskasse (BPK) verzichtet als einzige ganz auf Rohstoffe. Da diese selbst keinen Ertrag abwerfen würden, hätten Rohstoffe für Investoren, welche die sie selbst nicht konsumierten, «grundsätzlich spekulativen Charakter», betont Hans-Peter Wiedmer, stellvertretender BPK-Direktor. Die Kasse könne ihr Portfolio auch ohne Rohstoffe optimal gestalten. Und Wiedmer fügt an: «Unter ethischen Gesichtspunkten ist der unnötige Handel mit Agrarrohstoffen äusserst bedenklich. Es darf nicht sein, dass die Preise von Grundnahrungsmitteln an den Börsen aus rein spekulativen Überlegungen in die Höhe getrieben werden.»

Aussteigen aus dem Rohstoffgeschäft will jetzt auch die Pensionskasse des Kantons Graubünden, Aber nicht aus ethischen Gründen, sondern aus reinen Renditeüberlegungen, wie ihr Direktor Willi Berger erklärt. «Der Entscheid ist schon gefallen.»

(chb)

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