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Berufung
Staatsanwalt zerrt Luxleaks-Enthüller wieder vor Gericht

Antoine Deltour: Ex-PwC-Mitarbeiter muss noch einmal vor Gericht. Keystone

Zwei Whistleblower und ein Journalist im Luxleaks-Skandal müssen noch einmal vor Gericht. Die veröffentlichten Geheimdokumente hatten dubiose Steuerpraktiken vieler Konzerne ans Licht gebracht.

Veröffentlicht am 02.08.2016

Im Verfahren um die Enthüllungen im Luxleaks-Skandal geht die Luxemburger Staatsanwaltschaft in Berufung gegen das Ende Juni ergangene Urteil. Die beiden ehemaligen Mitarbeiter der Unternehmensberatung PwC, Antoine Deltour und Raphaël Halet, waren zu zwölf beziehungsweise neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Entscheidung zur Berufung sei Ende der vergangenen Woche erfolgt, sagte der Sprecher des luxemburgischen Justizministeriums Henri Eippers am Dienstag.

Die beiden Männer wurden für schuldig befunden, zehntausende Dokumente über dubiose Steuerpraktiken multinationaler Konzerne in Luxemburg weitergegeben zu haben. Der ebenfalls angeklagte Reporter Edouard Perrin wurde freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte 18 Monate Haft für Deltour und Halet gefordert. Die Verteidigung beantragte hingegen Freisprüche für alle drei Franzosen und begründete dies damit, dass sie der Allgemeinheit einen Dienst erwiesen hätten.

30'000 Dokumente entwendet

Der Justizsprecher Eippers sagte, die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, das Urteil anzufechten, betreffe insbesondere Perrin. Die beiden anderen Enthüller waren ihrerseits bereits in Berufung gegangen. Die ehemaligen PwC-Mitarbeiter hatten fast 30'000 Dokumente entwendet, die enthüllen, wie Luxemburg Grosskonzernen bei der Vermeidung von Steuerzahlungen in Milliardenhöhe half. Sie gaben sie an Perrin weiter.

Der Journalist berichtete im Mai 2012 als erster darüber, ohne dass dies grosses Aufsehen erregte. Erst die Luxleaks-Enthüllungen des internationalen Recherchenetzwerks ICIJ knapp zwei Jahre später sorgten europaweit für Wirbel.

Apple, Ikea und Pepsi

Durch die Enthüllungen wurde bekannt, dass hunderte Unternehmen mit Luxemburg für sie teils äusserst vorteilhafte Steuerabsprachen getroffen hatten. Diese erlaubten es ihnen, ihre Steuern im Grossherzogtum auf teils ein Prozent zu drücken und damit in anderen Ländern Steuern zu sparen. Zu den Konzernen gehörten unter anderem Apple, Ikea und Pepsi.

Durch die Luxleaks-Affäre war auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker unter Druck geraten. In seiner fast zwei Jahrzehnte währenden Amtszeit als luxemburgischer Regierungschef und Finanzminister war er für die durch die Enthüllungen ans Licht geratenen Steuernachlässe für internationale Grossunternehmen mitverantwortlich.

(sda/gku/chb)

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