Die Staatsanwaltschaft Neapel hat die umgehende Eröffnung eines Verfahrens gegen den ehemaligen italienischen Regierungschef Silvio Berlusconi wegen Korruption gefordert. Der Medienunternehmer soll 2006 den Senator Sergio De Gregorio bestochen haben.

Berlusconi soll den Mitte-Links-Politiker De Gregorio für 3 Millionen Euro - davon 2 Millionen Euro in bar - «gekauft» haben, damit er in das damals oppositionelle Berlusconi-Lager wechselte.

Kurz nach der äusserst knapp von Mitte-Links unter Romano Prodi gewonnenen Parlamentswahl wechselte De Gregorio tatsächlich die Seiten, zwei Jahre später stürzte die Regierung Prodi. Aus den darauffolgenden Wahlen ging Berlusconi deutlich als Sieger hervor.

Berlusconi wurde in der Vergangenheit immer wieder beschuldigt, Stimmen gekauft oder Abgeordnete bestochen zu haben. Es ist jedoch das erste Mal, dass deswegen nun offiziell ein Verfahren gegen ihn läuft.

De Gregorio - einst Senator für Neapel - gestand die Bestechung mittlerweile vor der Justiz und in der Presse ein. Im italienischen Recht kann das Verfahren erheblich beschleunigt werden, wenn die Beweise offensichtlich sind. Ein Richter muss dann binnen höchstens zehn Tagen entscheiden, ob der Prozess stattfindet.

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Medizinisches Gutachten

Im sogenannten Rubygate-Prozess gegen Berlusconi wegen Amtsmissbrauchs und Sex mit einer Minderjährigen forderte das Mailänder Gericht unterdessen ein medizinisches Gutachten an. Damit soll überprüft werden, ob Berlusconi wegen einer Augeninfektion tatsächlich verhandlungsunfähig ist, wie seine Anwälte anführen. Das Verfahren war deswegen bereits am Freitag auf Montag vertagt worden.

Berlusconis Anwälte verlangten nun auch eine Vertagung. Sie verwiesen darauf, dass sich ihr 76-jähriger Mandant bereits seit Freitag in einem Mailänder Spital befinde und seine Augeninfektion schlimmer geworden sei. Ausserdem leide Berlusconi unter Bluthochdruck.

Der Angeklagte wird beschuldigt, im Jahr 2010 mit der damals minderjährigen Nachtclub-Tänzerin Karima al-Mahrough alias Ruby Rubacuore («Herzensdiebin») Sex gegen Bezahlung gehabt zu haben. Später soll der Regierungschef sein Amt missbraucht haben, um die wegen Diebstahls festgenommene Marokkanerin freizubekommen.

Bis zu zwölf Jahre Haft

Bei einer Verurteilung wegen Prostitution von Minderjährigen drohen Berlusconi bis zu drei Jahre Haft, ist er des Amtsmissbrauchs schuldig, bis zu zwölf Jahre. Ein Urteil wird noch im März erwartet. Berlusconi und al-Mahrough bestreiten, Sex miteinander gehabt zu haben.

Der Medienunternehmer Berlusconi war erst am Donnerstag wegen Beihilfe zur Veröffentlichung vertraulicher Informationen über einen politischen Gegner in der Zeitung seines Bruders in erster Instanz zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Auch wegen Steuerbetrugs erhielt er eine Haftstrafe, derzeit läuft das Berufungsverfahren.

(tno/jev/sda)