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Ausstieg
Stadt Wil verabschiedet sich bei Biorender

Biorender macht aus Fleischabfällen Biogas. Die Anlage hat technische Probleme und erzeugt zu wenig Biogas. (Symbolbild: Key)

Das Winterthurer Stimmvolk hat klar Ja zur Rettung der Biorender gesagt. Am Tag nach der Abstimmung gibt nun die Stadt Wil ihren Abgang bekannt. Entsprechend verärgert sind die verbleibenden Partner.

Veröffentlicht am 25.11.2013

Die Stadt Wil steigt aus der Biorender AG aus, die in Münchwilen TG als Pionierin Fleischabfälle vergärt und daraus Biogas erzeugt. Wil ist mit 24,59 Prozent an der Biorender AG beteiligt. Die Stadt will die Aktien verkaufen - zum Unmut des St. Galler Stadtrates.

Der Stadtrat von Wil teilte den Ausstieg am Montag mit, nachdem er diesen bereits Anfang November beschlossen hatte. Weil am Sonntag in der Stadt Winterthur über eine Überbrückungsfinanzierung zur Rettung der Biorender AG abgestimmt wurde, machte der Stadtrat Wil seinen Ausstieg nicht bekannt. Winterthur sagte deutlich Ja zur Rettung.

Die Vergärungsanlage in Münchwilen hat seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 2011 technische Probleme und erzeugt zu wenig Biogas. Deswegen geriet die Biorender AG in finanzielle Schieflage. In Wil wurde die Biorender-Sache zum Politikum; die Geschäftsprüfungskommission des Stadtparlaments beschäftigte sich eingehend mit der Angelegenheit.

Nur in Wil ein Politikum

Dem Mitglied des Stadtrats, das am Anfang des Projekts für die Stadt Wil im Biorender-Verwaltungsrat sass, wurden Kompetenzüberschreitungen vorgeworfen. Der FDP-Mann wurde abgewählt.

Daniel Meili, der heute für den Stadtrat Wil im Biorender-Verwaltungsrat ist, wird aus diesem Gremium zurücktreten. Die Stadt Wil will ihr gesamtes Biorender-Aktienpaket verkaufen. Sie will sich nicht mehr weiter für die Biorender AG engagieren.

Unverständnis in St. Gallen

Die Frage, ob der Ausstieg Wils aus dem Energie-Pionierprojekt rechtlich möglich ist, beschäftigt derzeit Juristen. Ein Gutachter kam kurz vor der Abstimmung in Winterthur zu gegenteiligem Schluss.

An der Gesellschaft sind die Städte Winterthur, Wil und St. Gallen mit je 24,59 Prozent beteiligt. Kleinere Anteile halten die Städte und Gemeinden Schaffhausen, Flawil SG und Uzwil SG sowie Private.

Dass sich Wil aus dem Projekt zurückzieht, stösst bei Fredy Brunner, Stadtrat in St. Gallen, auf Unverständnis, wie er am Montag an einer Pressekonferenz sagte. Man könne nicht einfach davonlaufen, wenn es schwierig werde, sagte Brunner, zumal es laufende Verträge gebe.

Die Stadt St. Gallen mache vorläufig weiter bei der Biorender AG. Brunner sagte, er zolle dem Winterthurer Stimmvolk Respekt. Die Erzeugung von Biogas aus Fleischabfällen sei auch für den St. Galler Stadtrat und das Stadtparlament ein Risikogeschäft gewesen. Die Stadt St. Gallen habe ihre Investitionen auf Null abgeschrieben.

(sda/tke/aho)

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