Die Star-Ökonomen Nouriel Roubini und Niall Ferguson werfen Deutschland vor, nicht aus der Geschichte zu lernen. «Die Deutschen sind heute so sehr auf die Nichtgefahr Inflation fixiert, dass sie 1923 (dem Jahr der Hyperinflation) mehr Bedeutung beizumessen scheinen als 1933 (dem Todesjahr der Demokratie)», schreiben sie in einem Beitrag für die «Financial Times». «Sie täten gut daran, sich zu erinnern, wie zwei Jahre vor 1933 eine Bankenkrise in Europa zum Zusammenbruch der Demokratie in Europa beitrug.»

Auch wenn Roubini und Ferguson nicht explizit vom Nationalssozialismus schreiben, ist der Bezug doch eindeutig: Das Jahr 1933 war in Deutschland geprägt durch die Machtergreifung durch Adolf Hitler und seine Nationalsozialisten.

Zur heutigen Situation in Europa schreiben die Ökonomen, in den Peripherieländern der Euro-Zone fände ein stiller Ansturm auf die Banken statt und weite sich auf kleinere Einlagen aus. Die Griechen hätten im vergangenen Monat mehr als 700 Millionen Euro von ihren Banken abgehoben.» «Und im Falle eines Euro-Ausstiegs Griechenlands fragen sich vernunftbegabte Menschen: Wer ist der Nächste?», so die Ökonomen.

Roubini und Ferguson zeigen auch auf, wie in ihren Augen der Weg aus der Krise aussieht, um ein drohendes Zerfallen der Euro-Zone zu verhindern. Erstens sei ein Programm notwendig,«das Banken der Euro-Zone über stimmrechtslose Vorzugsaktien direkt rekapitalisiert, und zwar durch den EU-Rettungsschirm (EFSF) und den Nachfolger ESM». Zweitens müsse ein EU-weites System der Einlagensicherung geschaffen werden, um einen Ansturm auf die Banken zu vermeiden. 

Lockerung der Geldpolitik durch die EZB

Weiterhin empfehlen sie Zusatzmassnahmen, um das Risiko für die Steuerzahler zu reduzieren: angemessene Bankabgaben, eine Grössenbeschränkung für Banken, ein EU-weites Aufsichts- und Regulierungssystem sowie einen Mechanismus, bei dem nicht abgesicherte Gläubiger der Banken zuerst herangezogen werden, bevor Steuergelder genutzt werden.

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Ebenso sei notwendig «eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die EZB, ein schwächerer Euro, Konjunkturprogramme in den Kernländern, Infrastrukturausgaben in den Peripherieländern sowie Lohnerhöhungen in den Kernländern».

Gemeinschaftlich für Schulden haften

Ausserdem bestehe keine Alternative dazu, dass für Schulden in irgendeiner Weise gemeinschaftlich gehaftet wird. Dafür geeignet halten die Ökonomen einen europäischen Schuldentilgungspakt - ein vorübergehendes Programm, das nicht zu dauerhaften Euro-Bonds führt.

Roubini und Ferguson warnen, dass Europas Bankenkrise innerhalb von Tagen ausufern könnte. «Die EU wurde geschaffen, damit sich die Katastrophen der 30er-Jahre nicht erneut ereignen», schliessen die Ökonomen. «Es ist höchste Zeit, dass Europas Regierungen - und vor allem die deutsche - erkennen, wie gefährlich nahe sie daran sind, sie doch zu wiederholen.»

(tno/laf)