Wegen der Steuerabkommen mit Deutschland, Grossbritannien und Österreich ziehen Kunden aus diesen Ländern ihr Geld nicht noch rasch von ihren Schweizer Bankkonten ab. Bankiervereinigungs-Präsident Patrick Odier glaubt vielmehr, dass viele Kunden die Brücke zur Steuerehrlichkeit nutzen würden.

«Wir sehen keine Abflüsse», sagte Odier, der auch Teilhaber der Genfer Privatbank Lombard Odier ist, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters. Er trat damit Befürchtungen entgegen, Steuersünder würden ihr Geld noch schnell von Schweizer Banken abziehen, bevor die Abkommen in Kraft treten sollen.

Man werde zwar immer Personen finden, die ihre Steuern nicht zahlen wollen und lieber auf eine Insel oder sonst irgendwohin gingen. Allerdings hätten sich die Alternativen zum Finanzplatz Schweiz seit der Finanzkrise und wegen schärferer Vorschriften deutlich reduziert. Früher oder später werde es für Steuerflüchtlinge überall eng, sagte Odier.

Nach Odiers Einschätzung wollen viele Steuersünder «die Brücke zur Steuerehrlichkeit» nutzen, um danach frei über ihr oft ererbtes Geld verfügen zu können. Das Abkommen mit Deutschland sieht für bisher unversteuertes Schwarzgeld je nach Fall eine rückwirkende Steuer zwischen 21 und 41 Prozent vor. Das Geld gilt danach als korrekt versteuert, auch wenn deutsche Finanzämter keine Namen erfahren.

Die Schweizer Banken sollen die Steuer einziehen und anonym an den Fiskus in Deutschland weitergeben. Künftige Kapitalerträge in der Schweiz werden, ebenfalls anonym, so besteuert wie in Deutschland angelegtes Vermögen.

Wie viel Geld das Abkommen in die deutsche Staatskasse und jene der Bundesländer spülen würde, lässt sich laut Odier nicht abschätzen. Es gebe keine Statistik dazu, sagte der Präsident der Bankiervereinigung. «Aber anzunehmen, dass alles ausländische Geld in der Schweiz nicht versteuert ist, geht vollkommen an der Realität vorbei».

(muv/chb/sda)