Psychologen lieben dieses Testvideo. Damit lässt sich sogar die Weltpolitik erklären. Während 23 Sekunden spielen sechs Personen Basketball. Drei von ihnen tragen ein weisses T-Shirt, die anderen ein schwarzes. Die Aufgabe des Zuschauers besteht nun darin, zu zählen, wie viele Pässe das weisse Team hinkriegt. Prompt wird er Opfer seiner selektiven Wahrnehmung. Keiner bemerkt, dass eine siebte Person in einem Affenkostüm prominent durchs Bild läuft. Der Affe gehörte vergangene Woche auch in Davos zu den prominenten Gästen – und kaum jemand nahm ihn wahr.

Dabei kriegten alle die Vorstellung des britischen Premierministers David Cameron mit. Sie war mit Abstand das Beste, was das Weltwirtschaftsforum in diesem Jahr zu bieten hatte. Der Mächtig-Dampf-unter-der-Haube-Cameron machte dem Publikum klar, wohin die europäische Reise für Grossbritannien gehen soll.

An seiner Haltung zu einer politischen Union liess er keinen Zweifel. «Nicht mit mir, nicht mit Grossbritannien.» Die europäischen Staaten mit ihrer eigenen Geschichte, ihren eigenen Traditionen und Institutionen wollten ihre Eigenständigkeit und Eigenverantwortung bewahren. Zu Hause votiert er für ein Referendum über die britische EU-Mitgliedschaft.

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Cameron ist den Schweizern nicht so nah, wie man meinen könnte

Schweizer EU-Kritiker fühlen sich nun nicht mehr ganz so alleine auf dem Kontinent. Sie sehen in Cameron eine Art Seelenverwandten. Seine berechtigte Kritik an der EU stützt die eidgenössische Skepsis gegenüber Brüssel. Manch einer mag heimlich von einer Achse Bern–London träumen. Der Bürgermeister von London, Boris Johnson, hat gar schon eine Bezeichnung dafür. «Britzerland» soll es heissen.

Doch vom Schweizer Sonderweg will Cameron gar nichts wissen. Und auch sonst ist der britische Premier – Achtung Affe! – den Schweizern nicht so nah, wie man meinen könnte. Vielleicht kann er sogar ganz unangenehm werden. Bald führt Grossbritannien die Gruppe der G8 an. In Davos schilderte Cameron schon mal, wie er sich die Agenda der grössten Industrienationen der Welt vorstellt. «Wir wollen die G8 nutzen, um eine ernsthaftere Debatte in der G8 über Steuerflucht und Steuervermeidung zu führen.»

Droht da der Schweiz bereits die nächste Schlacht? Es wäre naiv anzunehmen, dass dem nicht so ist. Mit Deutschland, Frankreich, Italien und den USA liegt die Hälfte der G8-Mitglieder in Steuerfragen bereits im Clinch mit der Schweiz. Und das Abgeltungssteuerabkommen mit Grossbritannien ist zwar in Kraft, aber auf der Ebene der Firmensteuern droht auch mit den Briten neuer Ärger.

Der Weg des geringsten Widerstands führt in die Schweiz

Auf der Insel kriegen Konzerne wie Starbucks gerade die volle Wucht des Volkszorns zu spüren. Ein Untersuchungsausschuss des Unterhauses hatte festgestellt, dass sich die amerikanischen Kaffeekönige jahrelang arm rechneten und kaum Steuern zahlen mussten. 

Dabei wendeten die Starbucks-Manager einen altbewährten Trick an. Man kauft die Rohwaren zu überhöhten Preisen von einer Tochterfirma aus einem Niedrigsteuerland. Ein Teil der Kaffeehändler von Starbucks sitzt in Lausanne. In Bern täte man gut daran, sich auf die nächste Angriffswelle vorzubereiten. Es braucht schnell eine international kompatible Lösung. Nachdem das Bankgeheimnis bereits arg geschliffen wurde, sind jetzt die Unternehmenssteuern dran.

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Die jüngste Drohung von EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta, die Schweiz auf eine schwarze Liste zu setzen, gibt einen Vorgeschmack. Auch die G8-Runde dürfte sich den schwächsten Gegner aussuchen. Mit der US-Steueroase Delaware und den Kanalinseln gäbe es zwar in den eigenen Reihen genug zu tun, aber der Weg des geringsten Widerstands führt nun mal in die Schweiz. Wer das nicht sieht, den bestraft der Affe.