Die Mitarbeitenden der spanischen Fluggesellschaft Iberia geben nicht auf: Nach dem Scheitern eines Schlichtungsverfahren haben die Iberia-Piloten neue Streiks angekündigt.

Konkret rief die Pilotengewerkschaft Sepla die Piloten dazu auf, bis zum Sommer an insgesamt 30 Tagen die Arbeit niederzulegen. Die Ausstände sollen am Ostermontag beginnen und bis zum 20. Juli an jedem Montag und Freitag stattfinden.

Hintergrund: Die Streiks richten sich gegen die Gründung der Billigfluggesellschaft Iberia Express, welche am Sonntag den Betrieb aufnahm. Die Gewerkschaft sieht darin einen Verstoss gegen die geltenden Tarifverträge. Iberia wies den Vorwurf zurück. Das hindert die Iberia-Piloten nicht daran, seit Dezember 2011 bereits an zwölf Tagen die Arbeit niederzulegen. Dabei war jeweils ein Drittel der geplanten Flüge gestrichen worden. Iberia entstanden pro Streiktag Verluste von etwa 3 Millionen Euro.

Deutschland streikt auch

Derweil wird nicht nur in Spanien sondern auch in Deutschland gestreikt. Mit Warnstreiks im öffentlichen Dienst hat am Dienstag die Gewerkschaft Verdi in Deutschland erhebliche Beeinträchtigungen des Flugverkehrs ausgelöst. Die Folge: Allein am Flughafen in Frankfurt fielen knapp 450 Flüge aus, wie ein Sprecher der Betreibergesellschaft Fraport sagte. Das entspricht etwa einem Drittel der üblichen 1300 Starts und Landungen pro Tag. In München mussten 95 Verbindungen gestrichen werden, in Düsseldorf 25.

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In Frankfurt legte von 5 Uhr morgens bis am frühen Nachmittag ein Teil der Beschäftigten der Bodenabfertigung die Arbeit nieder. Nach dem Ende der Streiks sei der Betrieb langsam wieder angelaufen, sagte der Fraport-Sprecher. Endgültig normalisieren dürfte sich der Flugverkehr aber erst am Mittwoch wieder.

Schweiz wird zum Opfer

Auch Verbindungen in die Schweiz waren vom Streik betroffen. Am Flughafen Zürich fielen insgesamt 22 Flüge aus - davon 14 von und nach Frankfurt, 6 von und nach Berlin und 2 von und nach Köln/Bonn, wie Flughafensprecherin Sonja Zöchling auf Anfrage sagte. Am Flughafen Genf fielen laut einer Sprecherin am Dienstag zehn Flüge von und nach Frankfurt aus, am Flughafen Basel-Mülhausen waren es vier.

Mit den Streiks will die Gewerkschaft Verdi einen Tag vor der dritten Verhandlungsrunde den Druck auf die Arbeitgeber nochmals erhöhen. Zu Arbeitsniederlegungen kam es am Dienstag zudem im Nahverkehr, bei der Abfallentsorgung und in anderen öffentlichen Einrichtungen in Hamburg, Rheinland-Pfalz und im Saarland. Insgesamt beteiligten sich laut Verdi 215'000 Beschäftigte an der neuerlichen Warnstreikwelle diese Woche. Bei der ersten Welle Anfang März hatten demnach 130'000 Beschäftigte an den Protesten teilgenommen.

Höhere Löhne gefordert

Am Mittwoch und Donnerstag findet die dritte Runde der Lohnverhandlungen im öffentlichen Dienst statt. Verdi fordert für die rund zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen 6,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber einen Zuschlag von 200 Euro monatlich. Die öffentlichen Arbeitgeber bieten 3,3 Prozent mehr Geld über zwei Jahre.

Sollte bis Freitag kein Kompromiss erzielt werden, können die Arbeitgeber noch die Schlichtung anrufen. Während die Schlichtungskommission tagt, gilt nach dem Streikrecht «Friedenspflicht». Die Gewerkschaften haben ihrerseits die Anrufung der Schlichtung ausgeschlossen.

Minister verurteilt die Streiks

Der deutsche Innenminister Hans-Peter Friedrich kritisierte die Ausweitung der Streiks auf Flughäfen als eine «unangemessene Reaktion». «Da wir ein substanzielles Angebot gemacht haben, ist es ungerechtfertigt, die Bevölkerung jetzt mit diesen Streiks zu malträtieren», sagte er der in Düsseldorf erscheinenden «Rheinischen Post».

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Die deutschen Flughäfen sind zu grossen Teilen im Besitz der öffentlichen Hand. Der Frankfurter Flughafen gehört mehrheitlich dem Bundesland Hessen und der Stadt Frankfurt. 12'500 Beschäftigte nach den Vergütungsstrukturen des öffentlichen Dienstes bezahlt. Etwa 6000 Mitarbeiter arbeiten in der Bodenabfertigung.

(muv/aho/sda/awp)