In Griechenland haben am Mittwoch umfangreiche Streiks das öffentliche Leben nahezu zum Stillstand gebracht. Lehrer, Beamte sowie Eisenbahner wollen für 24 Stunden die Arbeit niederlegen - aus Protest gegen Lohnkürzungen und hohe Steuern.

In den Spitälern wurde nur ein Notdienst aufrechterhalten. Wegen Arbeitsniederlegungen der Angestellten der zivilen Luftfahrt kam es zu Behinderungen und Verspätungen im Flugverkehr. Erhebliche Probleme gab es auch bei der Küstenschifffahrt. Für die Mittagszeit waren gleich mehrere Demonstrationen geplant.

Zu den Streiks haben die beiden grössten Gewerkschaftsverbände GSEE und ADEDY aufgerufen. Sie sprechen von Generalstreik. Angestellte in Supermärkten, Taxifahrer, die meisten Händler und Hotelangestellte nehmen jedoch nicht teil.

Die Gewerkschaften protestieren gegen Lohnkürzungen und hohe Steuern, mit denen die Regierung in Athen eine Pleite des finanziell stark angeschlagenen Landes abwehren will. «Unser Kampf wird weitergehen, so lange an dieser Politik festgehalten wird», kündigte der GSEE an. Er vertritt gemeinsam mit ADEDY 2,5 Millionen Arbeiter und Angestellte.

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Schrumpfende Wirtschaft

Im krisengeplagten Griechenland schrumpft die Wirtschaft seit sechs Jahren. Vor allem junge Leute leiden schwer: Mehr als 60 Prozent der Menschen unter 24 Jahren haben keinen Job.

«Wir sind am Boden», sagte Nikos Papageorgiou, ein 56-jähriger Beamter. «Das Land wurde zerstört, die Jugend wurde zerstört. Ich bin wütend auf die Europäer und auch auf unsere Politiker. Sie gehören alle ins Gefängnis.»

Die Regierung hatte zuletzt einen harten Kurs den Gewerkschaften gegenüber eingeschlagen und allein in diesem Jahr zwei Mal Seeleute und U-Bahn-Beschäftigte per Notverordnung zurück an die Arbeitsplätze geschickt.

Zuvor war es bei einem wochenlangen Streik zu Nahrungsengpässen auf Inseln und einer Lähmung des öffentlichen Nahverkehrs in Athen gekommen. Am Montag lenkte die Regierung aber ein und zog ihren Plan zurück, fast 1900 Beamten zu kündigen.

(tke/aho/sda)