Der neue Arbeitsmarktchef des Bundes, Boris Zürcher, verteidigt in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag» die Personenfreizügigkeit. «Wir hatten in der Vergangenheit schon eine höhere Zuwanderung bei einer wesentlich kleineren Einwohnerzahl», sagt Zürcher. «Der Schweiz ging es immer dann schlecht, wenn wir kaum Zuwanderung hatten, so wie zum Beispiel in den 1990er-Jahren, als netto Leute abwanderten. Zudem haben wir nur einen sehr geringen Geburtenüberschuss. Die Zuwanderung ist also auch demografisch erwünscht.»

Auch interessant
 
 
 
 
 
 

Er räumt ein, dass die Prognosen zur Zuwanderung etwas «zu tief» ausfielen. «Wer jedoch behauptet, wir hätten jetzt eine gigantische Zuwanderung, übertreibt.» Und weiter: «Der Platz ist kein Problem. In New York leben ziemlich genau gleich viele Menschen wie in der Schweiz auf nicht einmal einem Viertel unserer Siedlungsfläche.»

Eindrückliches Wachstum

Zürcher betont auch, dass die volkswirtschaftliche Wertschöpfung der Schweiz in den letzten zehn Jahren jährlich um knapp ein Prozent pro Kopf gewachsen sei. «Zählt man die Kaufkraftgewinne dazu, ist das Wachstum noch eindrücklicher.» Zürcher bestreitet zudem, dass es ein Verteilungsproblem gebe. Das hohe Wachstum beschleunige aber den Strukturwandel. «Und das ist eine enorme Herausforderung, die wir nun bewältigen müssen: in der Infrastruktur, der Mentalität, in der Gesellschaft. Das müssen wir verdauen. Doch wenn unsere Zug- und Autobahnnetze heute am Anschlag sind, ist das nicht allein wegen der Zuwanderung. Diese Probleme hätten wir auch sonst.»

(jev)