Italien hat am Sonntag des 100. Jahrestages seines Eintritts in den Ersten Weltkrieg gedacht. Staatspräsident Sergio Mattarella legte auf der Piazza Venezia in Rom einen Blumenkranz am Grab des Unbekannten Soldaten nieder. In der mehrheitlich deutschsprachigen Provinz Südtirol hissten die Behörden die Nationalflagge  vor offiziellen Gebäuden nicht, wie das Italiens Regierung verlangt hatte. Im Krieg starben rund 650'000 italienische Soldaten und 600'000 Zivilisten.

Landeshauptmann Arno Kompatscher hatte zuvor erklärt, der Beginn eines Krieges, der Tod und Leid gebracht habe, verdiene es nicht, gefeiert zu werden. Der Südtiroler Regierungschef wäre stattdessen bereit gewesen, die Fahnen auf halbmast zu setzen - so wurde es etwa auf Anweisung des scheidenden Bürgermeisters Luigi Spagnolli in der Provinzhauptstadt Bozen gemacht, wo am Sonntag Stichwahlen stattfanden. Beide Politiker erklärten sich aber bereit, sich an einer landesweiten Schweigeminute zu beteiligen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Südtirol italienisch

Kritik kam umgehend von der Rechtspartei Fratelli d'Italia (Brüder Italiens). Wenn Kompatscher sich schäme, in Italien zu leben, könne er in ein anderes Land gehen, sagte Parteichefin Giorgia Meloni. Am 24. Mai 1915 war das bis dahin neutrale Italien in den Krieg eingetreten. Rein pazifistisch ist der Protest nicht. Südtirol wurde nach Kriegsende vom Verlierer Österreich-Ungarn abgetrennt und Italien zugeschlagen.