Das Blutbad in der Redaktion von «Charlie Hebdo» hat nicht nur die Franzosen aufgewühlt. Viele Menschen in Europa sorgen sich um die Zukunft des liberalen Staates und der Meinungsfreiheit. Da liegt es auf der Hand, dass einige Politiker die Welle der Solidarität für ihre Zwecke nutzen wollen. Die Vereinnahmungsversuche sind bereits in vollem Gang.

Auch für den SVP-Blogger Manuel Cadonau war der Anschlag offenbar ein gefundenes Fressen. «Wer möchte noch in überfüllten Passagiermaschinen mit Muslimen fliegen? Nicht jeder Muslim ist ein potenzieller Attentäter – aber jeder könnte einer sein. Wann kommen moslemfreie Fluglinien.», twitterte Manuel Cadonau am Freitagmorgen. Die Reaktionen auf den Tweet des Ex-Kantonsratskandidaten aus Wil SG liessen nicht lange auf sich warten. Kabarettist Gabriel Vetter antwortete umgehend mit dem «Sonderpreis Halbschuh der Woche», wie «Blick am Abend» berichtet.

Cadonau löscht Twitteraccount

Cadonau wollte seinen Tweet plötzlich als Witz verkaufen. Seine Antwort: «Wenn ihr dies ernst nehmt, tut nicht so als würdet ihr Satire verstehen.» Ganz geheuer war dem eifrigen SVP-Blogger und Twitterer aber wohl doch nicht mehr zumute, denn seinen Twitteraccount hat der SVP-Mann noch am Freitag gelöscht.

Seine früheren Tweets sind indes auf Favstar immer noch zugänglich. Dabei zeigt sich: Wiederholt hat sich Cadonau auf Twitter im Ton gehörig vergriffen. Ein Beispiel: «Nüchtern betrachtet: Feministinnen sind Frauen, die zu faul zum Arbeiten und zu hässlich zum Anschaffen sind», schrieb er Ende 2014. Und erhielt dafür die grossartige Resonanz von 12 Favorisierungen und 6 Retweets.

Ausländer und Pediga... 

Später gab Cadonau gar noch einen drauf: «Je attraktiver eine Frau ist, um so weniger interessiert sie sich für Feminismus». Oder zur Problematik der Immigration und Integration meinte er: «Problem mit den Ausländer ist, dass sie ihre Kultur mitbringen, die bei ihnen Zuhause zu den Zuständen geführt hat, vor denen sie geflohen sind.»

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Zu den Helden von Cadonau scheint dagegen die deutsche Anti-Islam-Bewegung Pegida zu gehören. «Täglich hört man von Protesten in Hongkong; interessiert keiner! Die wichtigsten finden jetzt in Europa statt! Von Medien totgeschwiegen #Pegida». Wenn man die Demokratie so sieht, wie Herr Cadonau, ist das eventuell nachvollziehbar: «Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf darüber abstimmen, was es zum Abendessen gibt.», twitterte er Ende November.

... und Jesus

Cadonau nimmt sich auch die Religion vor. «Jesus never doubted that Satan is the ruler of this world...», schrieb er kurz vor Jahresende. Aber keine Angst, in einem anderen Tweet bekräftigt er gleichentags: «Jesus loves you».