Das Parlament brachte den von Ihnen geplanten Verkauf der Telecom Liechtenstein an die Swisscom unerwartet zu Fall. Sind Sie überrascht?
Thomas Zwiefelhofer: In den vergangenen Wochen wurde stark gegen diese Lösung lobbyiert. Deshalb bin ich nur teilweise überrascht. Natürlich bin ich enttäuscht, dass die Regierung nicht die Möglichkeit bekommen hat, Bedenken auszuräumen und Fragen aufzuarbeiten. Trotzdem ist es ein demokratischer Entscheid, den es zu akzeptieren gilt.

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Warum hielten Sie und Ihre Regierungskollegen denn die Swisscom-Lösung als die beste?
Die Telecom Liechtenstein hat als Unternehmen auf einem sehr kleinen Markt – rund 16‘000 Haushalte – mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie viele Telekom-Unternehmen: sinkende Margen, die erodierende Festnetztelefonie und vor allem fehlende Skaleneffekte. Die Swisscom als starker und etablierter Partner hätte eine zuverlässige Lösung geboten. Gleichzeitig hätte mit dieser Variante das Risiko des Staats minimiert werden können, der nur noch als Minderheitspartner am neuen Unternehmen beteiligt gewesen wäre.

Die Gegner des Geschäfts sahen das nicht so. Sie fürchteten insbesondere, das Netz an einen ausländischen Konzern abzugeben. Hat man so Angst vor der Schweiz?
Die Schweiz ist traditionell ein sehr enger, sehr geschätzter und wertvoller Partner des Fürstentums Liechtenstein. Ich glaube daher nicht, dass man Angst vor der Schweiz hatte. Es war eher eine innenpolitische Sichtweise. Viele Menschen bei uns im Land stellten sich auf den Standpunkt, dass das Netzeigentum aus Souveränitätsgründen im Staatsbesitz bleiben müsse. Man wollte die Hoheit über das Telekommunikationsnetz nicht verlieren.

Auch der geplante Abbau von 60 Stellen war ein Grund. Sind diese Jobs gerettet?
Die Probleme der staatlichen Telecom bleiben, wie gesagt, bestehen. Das heisst, man wird mittelfristig sicher nicht um eine Neupositionierung herumkommen. Der Stellenabbau wurde von den Gegnern als Argument gegen die Partnerschaft mit der Swisscom verwendet. Aber egal, welche Lösung in Zukunft gefunden werden wird, ein Personalabbau wird sich auf lange Sicht wohl nicht vermeiden lassen.

Sie gehen nun über die Bücher. Wie könnte eine Lösung für die Telecom Liechtenstein denn aussehen?
Regierung und Führung der Telecom müssen nun analysieren, wie mit dieser Absage an die geplante Lösung umgegangen wird. Wir werden aber sicher nicht nächste Woche eine neue Alternative aus dem Hut zaubern. Das wäre auch nicht glaubwürdig. Auch die neue Regierung hat sich mit Nachdruck für die Swisscom-Variante eingesetzt, weil sie überzeugt war, dass dies die beste Lösung für unser Land gewesen wäre.

Ist die Swisscom definitiv aus dem Rennen?
Die Verantwortlichen der Swisscom waren im ganzen Prozess immer sehr offene, angenehme und lösungsorientierte Partner. Wir bedauern, dass der gemeinsame Weg nun auf halber Strecke unterbrochen werden musste. Das Votum des Landtags war aber ein sehr klares und ich denke, dass für die Swisscom eine Partnerschaft nun auch nicht mehr zur Debatte steht.

Könnte allenfalls ein anderer Schweizer Anbieter, der nicht dem Staat gehört, zum Zuge kommen?
Wie bereits ausgeführt, wird die Regierung nun über die Bücher gehen müssen und sich überlegen, wie die Zukunft der Telekommunikation in Liechtenstein aussehen soll. Es ist eindeutig noch zu früh zu sagen, ob dies mit einer Partnerschaft, mit wem auch immer, oder mit einer eigenständigen Lösung geschehen wird.

War die Loslösung vom Schweizer Telefonnetz vor 14 Jahren im Nachhinein ein Fehler?
Ich denke nicht, dass man von Fehlern sprechen kann. In den 1990er-Jahren herrschte generell eine euphorische Stimmung, gerade was Technologie allgemein betraf, und man versprach sich viel von einem boomenden Markt im Telekommunikationsbereich. Wie in vielen anderen Ländern auch, ist auch in Liechtenstein das Geschäft dann nicht so verlaufen wie man sich das vorgestellt hatte. Die Telekommunikation ist eine Branche, welche sich allein in den letzten zehn Jahren mit unheimlicher Geschwindigkeit weiterentwickelt hat. Was vor zehn Jahren gegolten hat, muss heute nicht mehr richtig sein. Gerade deshalb ist dies ein Bereich, in welchem ein staatliches Engagement immer wieder vor grosse Herausforderungen gestellt ist.

Thomas Zwiefelhofer ist Vize-Regierungschef des Fürstentums Liechtensteins und Vorsteher des Ministeriums für Inneres, Justiz und Wirtschaft.