1. Home
  2. Politik
  3. Swissmem-Chef: «Wir drohen in Isolation zu geraten»

Zuwanderung
Swissmem-Chef: «Wir drohen in Isolation zu geraten»

Verbandschefs: Swissmem-Präsident Hans Hess (li.) und Economiesuisse-Mann Heinz Karrer.   Keystone

Hans Hess sieht nach dem Erfolg der Migrationsinitiative den Wohlstand der Schweiz bedroht und fürchtet weitere EU-Einschnitte. Mit seinen Warnungen wehrt er Provokationen von SVP-Mann Hans Fehr ab.

Von Mathias Ohanian
am 13.02.2014

Der Präsident des Schweizer Industrieverbands Swissmem warnt nach der Annahme der Zuwandererinitiative vor dem Gang der Schweiz in die internationale Isolation. «Der bilaterale Weg ist als Ganzes gefährdet, die Diskussionen um die Weiterentwicklung dieses einzig gangbaren Wegs für die Schweiz werden nicht weiter geführt», sagte Hans Hess gegenüber handelszeitung.ch.

Damit reagiert der Präsident des Maschinen-, Elektro- und Metallindustrieverbandes auf Provokationen von SVP-Nationalrat Hans Fehr. Dieser hatte im Rausch des Abstimmungssieges Schweizer Wirtschaftsverbänden wie Swissmem und Economiesuisse vorgeworfen, diese hätten «während der Abstimmungskampagne mit millionenschwerer Propaganda ein ausserordentlich düsteres Bild der Wirtschaftslage unseres Landes gezeichnet und eine eigentliche Drohkulisse aufgebaut für den Fall einer Annahme der Volksinitiative».

Namentlich griff Fehr seinen «ehemaligen Offizierskollegen» Hess an, der seinerzeit noch «ein ausserordentlich mutiger, dynamischer, führungsstarker 'Kadi'-Kollege im gleichen Regiment» gewesen sei.

«Offenbar hat Herr Fehr die Reaktionen und Massnahmen der EU nicht mitbekommen»

Der Swissmem-Präsident bleibt von der militärischen Sprache Fehrs unbeeindruckt – und zweifelt an der Reflektionsfähigkeit des 67-jährigen Zürchers: «Offenbar hat Herr Fehr die ersten Reaktionen und Massnahmen der EU nicht mitbekommen.» Diese bestätigten Hess' im Abstimmungskampf «geäusserten Befürchtungen leider voll und ganz.»

Als Beispiel nennt Hess die Verhandlungen mit der EU-Kommission über einen grenzüberschreitenden Stromhandel: «Das im Zuge der Energiestrategie 2050 so entscheidende Stromabkommen ist gestoppt.» Daneben steht auch das für die Schweizer Universitäten wichtige europäische Austauschprogramm Erasmus auf dem Spiel: «Schweizer Studenten können vielleicht nicht mehr im Ausland studieren», warnt Hess. «Und das ist erst der Anfang», befürchtet er.

«Nicht die Isolation brachte der Schweiz den Wohlstand»

Er befürchtet, dass die Schweiz im Ausland nach der Annahme der Zuwanderungsinitiative nun zunehmend ins Abseits geraten könnte: «Auf dem nun eingeschlagenen Weg drohen wir in Isolation zu geraten», sagt er.

Das könnte denn auch gefährlich für den Schweizer Reichtum werden: «Es war nicht die Isolation, welche der Schweiz den Wohlstand brachte, sondern die weltoffene Schweiz.» Und in diese Isolation, so Hess, wollten SVP-Mann Fehr und die «Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz» nun führen.

Anzeige