So gelöst war die Stimmung im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Im mächtigsten Uno-Gremium wurde gelacht und auf Schultern geklopft und dann abgestimmt - Einstimmig.

Der Rat verabschiedete am späten Freitagabend (Ortszeit) nach zweieinhalb Jahren Gewalt und mehr als 100 000 Toten seine erste Resolution zu Syrien. Zumindest an diesem Abend war die monatelange Eiszeit zwischen Ost und West vorbei - wobei niemand weiss, was die Resolution den Opfern des Krieges nützt.

Weckruf erhört

Der Giftgasangriff vom 21. August mit Hunderten Opfern war der Weckruf, die rote Linie für die Uno. «Wenn jemand sein eigenes Volk ermordet, ist die Geduld der Welt am Ende», sagte US-Aussenminister John Kerry unmittelbar nach der Abstimmung. Für Washington gilt als erwiesen, dass nur die Regierung zu solchen Gasangriffen in der Lage ist. So weit wollen die Russen auf keinen Fall gehen - auch wenn die Schuldzuweisungen an die Rebellen leiser geworden sind.

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Moskau hat sich nun im wohl wichtigsten Punkt durchgesetzt: Die Resolution fordert zwar von Damaskus, die chemischen Waffen zu ihrer Zerstörung rauszurücken. Spielt das Regime jedoch nicht mit, tritt nicht automatisch Kapitel VII in Kraft. Bevor Zwangsmassnahmen nach diesem Teil der Uno-Charta umgesetzt werden, muss noch einmal der Sicherheitsrat zusammentreten. Und da geht wieder nichts ohne die Zustimmung aller fünf Vetomächte, zu denen auch Russland und China gehören.

«Schrecken in Syrien geht weiter»

Der Weg ist damit bereitet zu einer Friedenskonferenz Mitte November in Genf. Es bleibt abzuwarten, was die Resolution wirklich bringt. Kerry sagte zwar: «Wir haben zu unserer Verantwortung zurückgefunden, die Wehrlosen zu verteidigen.» Russlands Aussenminister Sergej Lawrow sprach von «der Basis für eine Überwindung der Krise.» Und Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon sah gar einen «historischen Moment.»

Der Koreaner erinnerte jedoch zugleich an den Alltag in Syrien: «Während wir diesen historischen Schritt begrüssen, dürfen wir nicht vergessen, dass der Schrecken in Syrien mit Bomben und Panzern, Granaten und Gewehren weitergeht.»

«Freibrief für das Töten von Syrern»

Entsprechend enttäuscht reagierten Syrische Regimegegner auf die Syrien-Resolution. Sie kritisieren, die Resolution des Uno-Sicherheitsrates sei nur auf die Vernichtung der Chemiewaffen des Regimes fokussiert. Der Resolutionstext könne als «Freibrief für das Töten von Syrern mit allen Waffen - mit Ausnahme von Chemiewaffen und Atomwaffen - verstanden werden», zitierte die Website «All4Syria» am Samstag den früheren syrischen Kulturminister Riad Naasan Agha.

Der Ex-Minister erklärte ausserdem, von dieser Entscheidung profitiere letztlich nur Israel, weil sich das Gleichgewicht des Schreckens dadurch verschiebe. Die Aussagen dazu, wie und wo die Schuldigen für den Tod von Hunderten Menschen durch Giftgas im Umland von Damaskus bestraft werden sollten, seien zu wenig konkret, schrieb Agha. Zur Frage einer politischen Lösung liefere die Resolution nichts Neues. Der Ex-Minister hat inzwischen mit dem Regime von Präsident Baschar al-Assad gebrochen und lebt im Ausland.

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(sda/moh)