Angesichts der Flüchtlingskrise mehren sich Forderungen, Syriens Präsidenten Baschar al-Assad als Partner im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu akzeptieren. Ein gemeinsames Vorgehen habe Priorität, sagte Österreichs Aussenminister Sebastian Kurz am Dienstag in Teheran.

«Das wird nicht ohne Mächte wie den Iran und Russland gelingen, und insofern braucht es hier einen pragmatischen Schulterschluss und auch eine Einbindung Assads in den Kampf gegen den IS-Terror», sagte Kurz weiter. Spaniens Aussenminister José Manuel García-Margallo hatte bereits am Montag Verhandlungen mit Assad gefordert, um den Krieg zu beenden.

Erste französische Aufklärungsflüge

Frankreich startete am Dienstag erste Aufklärungsflüge über Syrien. Präsident François Hollande hatte die Flüge am Vortag angekündigt und erklärt, sein Land erwäge auch Luftangriffe auf IS-Stellungen. Einen Einsatz von Bodentruppen schloss er dagegen aus.

In London sagte der britische Verteidigungsminister Michael Fallon, man werde weiter mit Drohnen IS-Kämpfer angreifen, wenn Extremisten Anschläge in Grossbritannien begehen wollten.

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IS-Erfolge zwingen zum Umdenken

Nach dem Ausbruch des innersyrischen Krieges 2011 waren sich zunächst alle westlichen Staaten einig, dass es eine Zukunft des Landes nur ohne Präsident Assad geben könne. Seit den militärischen Erfolgen der sunnitischen Fanatiker vom so genannten Islamischen Staat (IS) und dem damit einsetzenden Flüchtlingsstrom hat jedoch in vielen Regierungen ein Umdenken begonnen.

Kein Umdenken war bei Russland notwendig: Putin hielt Assad immer die Stand. Nach Angaben aus der US-Regierung gibt es mittlerweile auch Anzeichen für ein militärisches Eingreifen Russlands. Der syrische Informationsminister Omran al-Subi wies die Angaben als falsch zurück.

Unwissen in Israel

In Israel sagte ein Berater von Verteidigungsminister Mosche Jaalon der Nachrichtenagentur Reuters, es sei noch zu früh, das militärische Engagement Russlands abschätzen zu können.

Bulgarien verweigerte inzwischen russischen Flugzeugen den Überflug Richtung Syrien. Eine Sprecherin des Aussenministeriums in Sofia sagte der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag, es habe «glaubwürdige Informationen» gegeben, nach denen die Flugzeuge nicht die deklarierte humanitäre Hilfe an Bord hatten.

(sda/ise)