Die linke Partei Syriza um Führer Alexis Tsipras wird laut einer ersten Prognose stärkste Partei in Griechenland. Sie erreicht demnach 35,5 bis 39,5 Prozent der Stimmen. Dahinter folgt die aktuell gegierende Neo Demokratia des bisherigen Ministerpräsidenten Antonis Samaras, die 23 bis 27 Prozent der Stimmen erhält.

Die ersten Hochrechnungen der griechischen Wahlergebnisse bestätigten gegen 20.30 Uhr den Sieg der Syriza. Offen blieb aber, ob sie die absolute Mehrheit im Parlament erhält. Den Hochrechnungen zufolge kommt Syriza auf 149 bis 151 der 300 Sitze im Parlament.

Der Vorsprung von Syriza wäre damit noch grösser als letzte Umfragen vor der Wahl erwarten liessen. Syriza-Sprecher Panos Skourletis sagte: «Das ist ein historischer Sieg.» Das Wahlergebnis sende eine klare Botschaft gegen die Sparpolitik und für Würde und Demokratie. Grundlage der Prognosen sind Nachwahlbefragungen.

Syriza könnte absolute Mehrheit schaffen

Wegen einer Besonderheit im griechischen Wahlsystem – der Sieger erhält im Parlament zusätzlich 50 Sitze – könnte es für Syriza gar zur absoluten Mehrheit reichen: Sie könnte 146 bis 158 Sitze auf sich vereinen. Mit diesem Zuschlag an Sitzen für den Sieger sollen die Chancen für die Bildung einer starken Regierung erhöht werden.

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Der Euro gab im australisch-asiatischen Handel unmittelbar nach Bekanntgabe der Prognosen um rund einen halben Cent nach und fiel unter die Marke von 1,12 Dollar. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagte ein einer ersten Reaktion in der ARD, Griechenland sei nach wie vor auf Hilfen seiner Partner angewiesen. «Und das heisst natürlich auch, dass es ein solches Programm nur geben kann, wenn die Verabredungen auch eingehalten werden.»

Mitregierende Pasok weit abgeschlagen

Im Rennen um den dritten Platz lagen die proeuropäische Partei der politischen Mitte, To Potami (Der Fluss) und die rechtsradikale Goldene Morgenröte gleichauf. Sie kommen jeweils auf 6,4 bis 8 Prozent. Die bisher mitregierenden Sozialisten (Pasok) landen laut Prognosen abgeschlagen bei 4,2 bis 5,2 Prozent.

Ersten Analysen zufolge wählten zahlreiche Stammwähler der früheren sozialistischen Volkspartei Pasok nun das Linksbündnis Syriza. Die Rechtspopulisten der Unabhängigen Griechen schafften den Prognosen zufolge ebenfalls den Sprung über die Drei-Prozent-Hürde. Sie lagen bei 3,5 bis 4,5 Prozent der Stimmen. Die Partei des ehemaligen griechischen sozialistischen Regierungschefs Giorgos Papandreou musste zittern. Sie lag bei 2,2 bis 3,2 Prozent.

Tsipras lehnt Auflagen der Gläubiger ab

Syriza-Chef Alexis Tsipras will das mit Milliardensummen seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor der Staatspleite gerettete Land zwar in der Euro-Zone halten. Allerdings lehnt er die Reform-Auflagen der Gläubiger ab und fordert einen Schuldenschnitt. EU, IWF und Europäische Zentralbank weisen das zurück. Griechenland steht bei seinen Geldgebern mit rund 240 Milliarden Euro in der Kreide.

(sda/reuters/moh)