Die Schweiz brauche eine freiheitliche Bewegung, sagte Stefan Nünlist, Oltner FDP-Politiker und Mitinitiant des «Tages der Freiheit». Die FDP sei die traditionelle Partei der Freiheit. Sie habe jedoch das Image einer Banken- und Wirtschaftspartei.

Der Freisinn sei nicht eine dogmatische Kaderpartei. Die Kraft des Freisinns liege in den Familien, in den Gemeinden und Kantonen, sagte Nünlist. Er ist Kommunikationschef der SBB.

Im Vorfeld hatten die Organisatoren grosse Erwartungen an den «Tag der Freiheit» geweckt. «Freisinnige sind progressiv. Sie setzen auf Fortschritt und gestalten ihn mit», hiess es in einem Manifest. «Freiheit und Chancengleichheit sind Pfeiler unseres Selbstverständnisses.»

FDP als Verliererin

Der Freisinn habe seinen Gemeinsinn weitgehend eingebüsst, sagte Georg Kohler, Professor für Philosophie an der Universität Zürich. Die FDP sei zur Partei der Besserverdienenden geworden. Freisinnig sei aber eigentlich, wer offen im Denken und offen im Herzen sei. Die Partei sei derzeit nicht in prächtiger Verfassung.

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Kritisch ins Gericht mit der FDP ging auch Schriftsteller Alex Capus, der derzeit noch Präsident der SP Olten ist. Der FDP-Freiheitsbegriff laufe Gefahr, zur Leerformel zu werden.

FDP soll aufwachen

Der Aargauer SVP-Nationalrat Ulrich Giezendanner wollte die Anwesenden im Saal wachrütteln. Er forderte einen «echten Freisinn», der sich gegen Links abgrenze. Die FDP müsse ihre Wurzeln wahrnehmen. Von der FDP erwarte man einen freien Geist und weniger Staat.

In einem der vielen Podien zu politischen Themen erhielt die Berner FDP-Nationalrätin Christa Markwalder für eine Aussage viel Applaus. Die Partei dürfe Politik nicht nach Umfragen machen. «Wir müssen zu unseren Überzeugungen stehen», sagte Markwalder.

Alt Parteipräsident Franz Steinegger erinnerte daran, dass die FDP 1894 in Olten gegründet worden sei. Die FDP habe Partei der Mitte, des Ausgleichs und des Fortschritts sein wollen.

Couchepin und Müller auf Podium

Alt Bundesrat Pascal Couchepin trat in Olten gemeinsam mit dem Aargauer Nationalrat Philipp Müller auf, dem wahrscheinlichen neuen Präsidenten der FDP Schweiz. Das Thema dieses kurzen Podiums war die Aussenpolitik.

Couchepin sagte, die Schweiz brauche eine «dynamische Aussenpolitik». Man müsse zuerst die Ziele und dann den Weg beschreiben. Der bilaterale Weg sei nicht das Ziel, sondern der Weg. Wenn der bilaterale Weg scheitere, brauche man eine Alternative.

Für Müller ist ein EU-Beitritt kein Thema. Die Schweiz habe den direkten Kontakt zu seinen direkten Nachbarn zu lange vernachlässigt. Der Mythos der totalen Unabhängigkeit sei ein Mythos. In der Schweiz werde das Geld verdient, in der Welt der Wohlstand.

(chb/sda)