Nach dem schweren Erdbeben im Hindukusch mit mehr als 300 Toten versuchen Rettungsteams, zu den eingeschlossenen Menschen vorzudringen. Sowohl in Afghanistan als auch in Pakistan waren viele Wege durch Erdrutsche unpassierbar und die Helfer kamen nur schwer zu den Betroffenen durch.

Der pakistanische Premierminister Nawaz Sharif schickte am Dienstag nach Angaben eines Sprechers Helikopter in die abgelegenen Regionen.

Zahl der Toten könnte noch steigen

Das Epizentrum des Erdbebens der Stärke 7,5 am Montag lag in der dünn besiedelten Bergregion Badachschan im Nordosten Afghanistans. Betroffen war das Dreiländereck von Afghanistan, Pakistan und Tadschikistan.

In Pakistan wurden nach offiziellen Angaben vom Dienstag 230 Tote gefunden. In Afghanistan starben mindestens 84 Menschen, darunter zwölf Schülerinnen, die bei einer Massenpanik totgetrampelt wurden. «Die Zahlen könnten noch steigen», erklärte der afghanische Regierungsgeschäftsführer Abdullah Abdullah via Twitter.

Bis zu 2000 Verletzte

In den Spitälern wurden Hunderte Menschen behandelt. Allein in der nordwestpakistanischen Provinz Khyber-Pakhtunkhwa gab es mehr als 2000 Verletzte, wie die Provinzbehörde mitteilte.

Nach offiziellen Angaben wurden rund 2500 Häuser in Pakistan und 4000 in Afghanistan beschädigt. Hunderte Menschen mussten die Nacht im Freien verbringen. In das Dorf Chakdara im Nordwesten Pakistans drangen auch am Dienstag noch keine Helfer vor, wie der Einwohner Zaman Khan der Nachrichtenagentur dpa am Telefon berichtete. «Ich habe keine Unterkunft für mich und meine Kinder. Jemand muss kommen und uns helfen», sagte er.

Taliban wollen helfen

In Afghanistan machten nicht nur Erdrutsche die Wege unpassierbar. Viele Strassen würden von den radikalislamischen Taliban kontrolliert, sagte Mawlawi Hamidullah Muslim, Mitglied des Provinzrates im afghanischen Badachschan.

Anzeige

Die radikalislamischen Taliban boten jedoch ihre Hilfe bei der Bergung und Versorgung der Toten und Verletzten an. Die militante Organisation rief Hilfsorganisationen auf, den Opfern «Unterkunft, Lebensmittel und medizinische Versorgung» zukommen zu lassen. Sie befahl ihren eigenen Kämpfern in den betroffenen afghanischen Regionen, den Menschen «vollständig» zu helfen.

Pakistan lehnt Hilfe ab

Die USA boten ihre Unterstützung an. Auch der indische Ministerpräsident Narendra Modi wollte dem Nachbarstaat trotz des schwierigen Verhältnisses Hilfe anbieten. Auch die Vereinten Nationen teilten mit, sie stünden für Rettungsarbeiten bereit, falls es Bedarf gebe. Pakistans Premierminister Nawaz Sharif aber lehnte Hilfe ab. «Unsere eigenen Ressourcen sind ausreichend, um mit der Tragödie fertig zu werden», erklärte er.

Nach Angaben der pakistanischen Zeitung «Dawn» sendete die Regierung bislang 2000 Zelte und ein mobiles Spital in die Region. Die Hilfsorganisation Roter Halbmond ist sowohl in Pakistan als auch in Afghanistan mit Teams unterwegs. Pakistans Armee erklärte, Wege durch 27 von 45 Erdrutsche geschaufelt zu haben.

(sda/dbe/hon)