Economiesuisse hat aus dem Debakel der Abzocker-Initiative gelernt und wirkt darauf ein, dass Unternehmen wegen der 1:12-Initiative nicht mit dem Wegzug aus der Schweiz drohen. Der neue Economiesuisse-Präsident Heinz Karrer sagt in der Zeitung «Schweiz am Sonntag»: «Drohen ist das Dümmste, was man machen kann.»

Die CEOs halten sich an die neue Kommunikationsstrategie des Wirtschaftsdachverbandes. Doch gemäss Recherchen der «Schweiz am Sonntag» würden UBS und CS sowie Handelsgesellschaften und Pharmakonzerne tausende von Stellen ins Ausland verlagern, sollte die 1:12-Initiative angenommen werden.

Gemäss Insidern der Grossbanken UBS und CS würden diese zwar ihren Sitz mit Sicherheit in der Schweiz behalten. «Es ist undenkbar, dass eine Bank, die stark mit der Schweiz verbunden wird, ins Ausland geht», sagt ein Konzernleitungsmitglied zur «Schweiz am Sonntag». Doch wenn das Domizil in der Schweiz bleibt, heisst das nicht, dass auch die Jobs hier bleiben. 

Peter Spuhler befürchtet «Blutbad»

Bei der UBS spricht man intern davon, dass jede zweite Stelle mit mindestens 700 000 Franken Jahreslohn ins Ausland verlagert wird. Dies nicht über Nacht, sondern schrittweise innerhalb der nächsten fünf Jahre. Bahn-Unternehmer Peter Spuhler verzichtet ebenfalls auf Drohungen, spricht aber allgemein von einem «Blutbad», das 1:12 anrichten würde.

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Der ehemalige Sulzer- und ABB-Verwaltungsratspräsident Jürgen Dormann sagt: «Die meisten Topmanager internationaler Unternehmen würden eine solche Einschränkung nicht akzeptieren, und damit gingen auch die Arbeitsplätze der ganzen Führungszentralen verloren.»

Diese Gefahr sieht auch ein unverdächtiger Experte: Serge Gaillard, Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, ehemaliger Chef der Direktion für Arbeit des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) – und früherer Chefökonom des Gewerkschaftsbundes. Er sagt zur «Schweiz am Sonntag»: «Eine 1:12-Limite würde vor allem bei Headquarters, Handelsgesellschaften, Pharmamultis und Banken zu Stellenverlusten führen.»

(aho)