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Jahreswechsel
Terror-Angst: Europas Metropolen sind verunsichert

Feuerwerk: In Paris nicht erlaubt. Keystone

Mit vermehrter Polizeipräsenz und Zugangskontrollen wollen Europas Grossstädte für Sicherheit bei Neujahrsfeiern sorgen. Brüssel sagte sogar das Feuerwerk ab.

Veröffentlicht am 31.12.2015

In Frankreich herrscht seit den Anschlägen vom 13. November Ausnahmezustand. Nun sollen landesweit rund 60'000 Polizisten und Militärs die Nacht ins neue Jahr absichern. Am Silvesterabend ist das offizielle Feuerwerk in Paris abgesagt, private Böller und Raketen sind dort zu Silvester ohnehin immer verboten.

Die Bereiche um Champs-Élysées und Eiffelturm sind zu Silvester stets weiträumig abgesperrt und kontrolliert. In diesem Jahr soll zudem ohne grosse Show alles eher ruhig und nüchtern werden.

Belgische Hauptstadt sagt Feuerwerk ab

Paris ist nicht alleine: Zahlreiche Metropolen erleben in diesem Jahr ein Fest unter ausserordentlichen Bedingungen. In Brüssel zum Beispiel kamen im vergangenen Jahr 100'000 Menschen in der Innenstadt zusammen, um den Jahreswechsel zu feiern. In diesem Jahr fällt das Silvesterfeuerwerk wegen Terrordrohungen aus. Das teilte Bürgermeister Yvan Mayeur am Mittwochabend mit. «Es ist besser, wenn wir keine Risiken eingehen», sagte Mayeur im Sender RTBF. Auch das Begleitprogramm solle ausfallen. Die Lage werde weiter geprüft.

Die Behörden hatten Anschlagspläne an mehreren Orten in Brüssel für die Silvesternacht aufgedeckt und zwei Männer in Haft genommen. Waffen und Sprengstoff wurden nach bisherigen Angaben der Staatsanwaltschaft aber nicht gefunden. Allerdings stiessen die Fahnder auf Propagandamaterial der Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Zwei Männer sind in Haft. Von einem Zusammenhang mit den Pariser Anschlägen im November mit 130 Toten gehen die Ermittler nicht aus.

Rucksäcke in Berlin verboten

In Berlin findet die grösste Open-Air-Silvesterparty Deutschlands unter verschärften Sicherheitsmassnahmen statt. Mehrere Hunderttausend Menschen werden auf einer rund zwei Kilometer langen Feiermeile zwischen Brandenburger Tor und Siegessäule erwartet.

Zwar gibt es keine Hinweise auf konkrete Anschlagsplanungen in Berlin, wie ein Polizeisprecher sagte. Es herrsche aber eine hohe abstrakte Gefährdung. Mehr Polizisten seien im Einsatz als im Vorjahr – insbesondere rund um die grosse Outdoor-Feier. Auf dem Gelände selbst sind nach Angaben der Veranstalter erstmals grosse Taschen und Rucksäcke verboten.

Mehr Polizei in London und Rom

Im Zentrum Londons sind laut Polizei rund 3000 Polizisten auf den Strassen. Ausdrücklich heisst es aber: «Unsere Pläne sind reine Vorsichtsmassnahmen und nicht die Folge irgendwelcher konkreter Geheimdienstinformationen.» Wer das grosse Feuerwerk am London Eye aus der Nähe betrachten will, braucht ein Ticket.

In Italien seien zu Silvester mehr Beamte als üblich im Einsatz, sagte ein Polizeisprecher in Rom. Bei der grössten Silvester-Party in der Hauptstadt, dem Konzert im Circo Massimo mit Tausenden Menschen, werden alle Besucher mit Metalldetektoren kontrolliert.

Vorsichtsmassnahmen in Spanien und den USA

Der Zugang zum Madrider Hauptplatz Puerta del Sol («Sonnentor»), wo traditionell Zigtausende das neue Jahr begrüssen, soll erstmals «reguliert» werden.

In den USA haben die Behörden von New York allen Einheimischen und Touristen versichert, dass sie keine Angst vor Anschlägen haben müssten. Nach Angaben von Bürgermeister Bill de Blasio sind die Sicherheitsmassnahmen vor den Feiern zum Neuen Jahr umfassender denn je: «Wir haben eine riesige Zahl von Polizisten am Silvesterabend draussen.»

Roter Platz für Öffentlichkeit geschlossen

Wohl leer bleiben wird dagegen in diesem Jahr der wichtigste Platz Russlands: Der Rote Platz bleibt in der Silvesternacht erstmals für die Öffentlichkeit geschlossen.

Jeder, der sich zu dem Platz begebe, um auf den Anbruch des neuen Jahres zu warten, werde von der Polizei fortgeschickt, kündigte Moskaus Sicherheitschef Alexej Majorow an. Für gewöhnlich versammeln sich alljährlich tausende Moskauer und Touristen auf dem Platz, wenn dort zum Jahreswechsel die Kreml-Glocken läuten.

Sicherheitsvorkehrungen auch in Bern

In Bern ist die Polizei schon seit den Anschlägen von Paris im November stärker präsent. Das bleibt vorderhand auch so. «Nach wie vor haben wir eine sehr starke Präsenz», stellte Corinne Müller, Leiterin der Medienstelle, auf Anfrage fest.

Die Kantonspolizei Bern beurteile die Lage laufend, das gelte auch für die aktuelle Festtagszeit. «Dazu stehen wir in engem Kontakt mit den zuständigen Stellen beim Bund und ergreifen gestützt darauf und wenn situativ notwendig entsprechend gezielte Massnahmen», erklärte Müller. Das Dispositiv werde laufend angepasst, betonte sie.

(sda/ise)

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