Bei den schweren Feuergefechten zwischen Polizei und einer bewaffneten Gruppe im Norden Mazedoniens sind seit Samstagmorgen acht Polizisten und mindestens 14 Bewaffnete getötet worden.

Zudem seien 37 Polizisten bei dem Einsatz verletzt worden, der in Kürze beendet werde, sagte der Innenministeriumssprecher Ivo Kotevski am Sonntagnachmittag. Der Einsatz hatte am Samstagmorgen mit einer Razzia in einem mehrheitlich von ethnischen Albanern bewohnten Viertel begonnen. Am Sonntag waren immer noch sporadisch Schüsse in dem Viertel zu hören.

«Zutiefst besorgt»

Medienberichte sprachen allerdings von «40 toten Uniformierten», die nach dem Ende der Polizeiaktion noch identifiziert werden müssten. Über zivile Opfer gab es zunächst keine Informationen 30 Personen sind nach amtlichen Angaben verhaftet worden.

Nach dem Kosovo und Albanien rief am Sonntag auch die Europäische Union zur Zurückhaltung auf. Der EU-Erweiterungskommissar Johannes Hahn äusserte sich «zutiefst besorgt» über die Gewalt und forderte, jede weitere Eskalation zu vermeiden. 

Polizei-Razzia

Die Polizei war nach eigenen Angaben am Samstagmorgen mit einer Razzia gegen eine «bewaffnete Gruppe» vorgegangen, die sie verdächtigte, einen «Terroranschlag» auf staatliche Einrichtungen zu planen. Mitglieder der Gruppe seien aus einem Nachbarland nach Mazedonien gekommen, sagte der Polizeisprecher Ivo Kotevski. Nach Medienberichten handelt es sich dabei um das Kosovo. Laut Polizei war die Gruppe schwer bewaffnet und hatte in Kumanovo Unterstützer.

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Die Polizei sei von Heckenschützen beschossen und mit Granaten und automatischen Waffen angegriffen worden, sagte ein Sprecher. Gepanzerte Polizeifahrzeuge gingen in der ganzen Stadt in Stellung, während Helikopter die Stadt überflogen, wie ein AFP-Fotograf berichtete. Dutzende Einwohner wurden aus dem betroffenen Viertel in Sicherheit gebracht.

Aufstand ethnischer Albaner

Im Jahr 2001 hatte es im Norden Mazedoniens einen Aufstand ethnischer Albaner gegeben. Er endete mit einem Abkommen, das den Albanern mehr Rechte zusagte. Die Beziehungen zwischen den Volksgruppen in Mazedonien bleiben aber weiterhin angespannt. Bis zu 30 Prozent der 2,1 Millionen Einwohner der früheren jugoslawischen Teilrepublik sind ethnische Albaner.

Erst vor drei Wochen hatten 40 Kosovo-Albaner die Kontrolle über eine Polizeiwache an der mazedonischen Grenze übernommen und die Bildung eines albanischen Staates in Mazedonien gefordert.

Korruptionsskandal

Die Gewalt in Kumanovo droht die ohnehin angespannte politische Situation im Land weiter zu verschärfen. Die Regierung ist mit einem Korruptionsskandal konfrontiert und sieht sich Vorwürfen der Opposition ausgesetzt, illegal 20'000 Menschen abgehört zu haben.

Albanien und das Kosovo verurteilten die Gewalt in Kumanovo. Das Aussenministerium in Tirana rief zur Zurückhaltung auf, um eine weitere Verschärfung der Situation zu verhindern, die «der demokratischen Stabilität und dem Wohlstand nicht förderlich ist». Das Aussenministerium in Pristina forderte seinerseits «alle Seiten auf, eine Lösung durch einen politischen Dialog zu finden».

(sda/dbe)