Nach Einschätzung der belgischen Atomaufsicht besteht grundsätzlich auch eine Terrorgefahr für die Kernkraftwerke im Land. Am Tag der Terroranschläge in Brüssel ist denn auch Personal aus Atomkraftwerken abgezogen worden.

In Belgien gelte aktuell die höchste Terrorwarnstufe 4, damit bestehe auch eine offensichtliche Gefahr für Atomkraftwerke, sagte ein Sprecher der Atomaufsichtsbehörde AFCN der Nachrichtenagentur dpa in Brüssel. Es gebe aber keine spezifischen Hinweise darauf, dass Terroristen Atomkraftwerke im Visier haben, sagte Lodewijk van Ladel. «Aber sie sind eines von möglichen Zielen terroristischer Anschläge.»

Risiko minimieren

Unmittelbar nach den Explosionen am Dienstag mit mindestens 31 Toten und 270 Verletzten am Hauptstadt-Flughafen und in der U-Bahn war das Personal in den AKW auf ein Minimum reduziert worden. Van Ladel zufolge eine Massnahme, um die Anlagen schneller evakuieren zu können, wäre dies nötig gewesen.

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Ausserdem sollte laut Medienberichten das Risiko minimiert werden, dass gefährliche Personen auf das Gelände gelangen. Am Mittwoch wurde das Personal an den Standorten Doel und Tihange aufgestockt. Es sei die übliche Belegschaft im Einsatz, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Mittwoch unter Berufung auf die Betreiberfirma.

Verdächtiges Video aufgetaucht

Zwei Vorfälle sind AFCN-Sprecher Ladel zufolge immer noch Gegenstand von Ermittlungen: Im Atomkraftwerk Doel 4 habe sich 2014 unerwartet ein Meiler abgeschaltet, nachdem mehr als 60'000 Liter Öl aus noch ungeklärter Ursache ausgelaufen seien. Ob es sich tatsächlich um Sabotage gehandelt habe, sei noch immer unklar.

Ausserdem hatten Ermittler bei einer Hausdurchsuchung in der belgischen Hauptstadt nach der Terrorserie in Paris im November 2015 ein verdächtiges Video gefunden. Darauf war der Direktor des Zentrums für Nuklearenergie im belgischen Mol zu sehen. Es umfasste zehn Stunden und dokumentierte den Tagesablauf des Mannes. Obwohl der Forscher nicht direkt mit einem Atomkraftwerk in Verbindung stehe, sei die Existenz dieses Videos «ziemlich heftig», sagte der Sprecher.

Angst vor einer «schmutzigen Bombe»

Westliche Staaten befürchten, dass sich Islamisten strahlendes Material beschaffen und damit eine sogenannte «schmutzige» Bombe bauen könnten, um sie bei Terroranschlägen einzusetzen. Bei einer solchen Bombe wird einem herkömmlichen Sprengsatz radioaktives Material beigemischt.

«Schmutzige Bomben» sind keine Atombomben mit verheerender Sprengkraft, denn bei der Detonation kommt es nicht zu einer nuklearen Kettenreaktion. Vielmehr soll der explodierende konventionelle Sprengstoff Radioaktivität in der Umwelt verteilen. Eine radioaktive Wolke kann im Extremfall ein ganzes Gebiet unbewohnbar machen.

Unsicherheit in der Schweiz

In der Schweiz reichte die SP-Nationalrätin Beam Heim unlängst eine Interpellation ein. Darin zeigt sie sich besorgt über die Sicherheit der Schweizer AKWs. Heim fürchtet, dass hiesige AKWs einem abstürzenden Flugzeug nicht gewachsen werden.

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Der Bundesrat hat im Februar darauf geantwortet. Die Landesexekutive beschwichtig: «Die Erstellung der Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt erfolgte unter der Anforderung eines Vollschutzes gegen eine Boeing 707 mit Resttreibstoff und einer Geschwindigkeit von 370 Stundenkilometern.» Für die älteren Kernkraftwerke Beznau und Mühleberg wurden entsprechende Abklärungen im Nachhinein gemacht.

(sda/ise)