Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat nach Angaben von Aktivisten in Syrien 230 Menschen entführt - unter ihnen mindestens 60 Christen. Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag meldete, wurden die Menschen von den Dschihadisten in der Stadt Al-Karjatain der Provinz Homs im Zentrum Syriens verschleppt.

Aus syrischen Regierungskreisen verlautete, dass unter den Geiseln 45 Frauen und 19 Kinder seien. Laut den Menschenrechtsbeobachtern tragen die Dschihadisten Namenslisten bei sich von Personen, die sie gefangen nehmen wollen. Die Dschihadisten hätten dann aber teilweise einfach ganze Familien gefasst, die fliehen wollten.

Regierungstruppen aus der Stadt gedrängt

Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Ärzten und Aktivisten in Syrien. Für Medien sind ihre Angaben kaum nachprüfbar. IS-Milizen hatten Al-Karjatain am späten Mittwochabend erobert und Regierungstruppen aus der Stadt gedrängt.

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Viele Christen waren aus dem nördlichen Aleppo nach al-Karjatain geflohen. Vor Beginn des Aufstands gegen Präsident Baschar al-Assad 2011 lebten dort rund 18'000 Sunniten und 2000 Katholiken und Orthodoxe. Nach Angaben von Christen in Damaskus und al-Karjatain selbst befanden sich vor dem Angriff der Dschihadisten jedoch nur noch etwa 300 Christen in der Ortschaft.

Strategischer Knotenpunkt

Al-Karjatain ist eine wichtige Verbindung zwischen Gebieten, welche die IS-Miliz im Osten von Homs und weiter westlich rund um Kalamun kontrolliert. Die Eroberung von al-Karjatain erlaubt den Dschihadisten, zwischen den beiden Gebieten Kämpfer zu verschieben sowie Lebensmittel zu transportieren, wie die Beobachtungsstelle erklärte.

(sda/gku)