Die radikalislamische Miliz Boko Haram hat am Samstag Gombe im Nordosten Nigerias angegriffen. Die Extremisten seien aber zurückgeschlagen worden, verlautete aus Sicherheitskreisen der Regierung. Die schwer bewaffneten Kämpfer hätten einen Kontrollposten am Stadtrand überrannt, berichteten geflüchtete Einwohner. Explosionen und Gewehrschüsse seien in Gombe zu hören. Die Boko-Haram-Miliz kämpft seit Jahren für einen eigenen Staat im Nordosten Nigerias und hat ihre Angriffe auf die Nachbarländer Kamerun, Niger und vor wenigen Tagen auch auf den Tschad ausgeweitet.

Soldaten seien davongerannt, als die Kämpfer den Kontrollposten in Gombe gestürmt hätten, sagte Abdul Hassan, ein Augenzeuge. Dann hätten die Rebellen eine Polizeiwache am Stadtrand niedergebrannt. «Ich bin über den Fluss und in die Berge gelaufen», sagte Hassan. «Ich bin noch dort, und ich kann die Kämpfe hören.»

«Die ganze Stadt ist in Panik.»

Andere Einwohner wagten es nicht zu fliehen, weil sie fürchten müssen, ins Kreuzfeuer zu geraten. Godfret Obeate, ein anderer Bewohner von Gombe, sagte der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon, überall seien die Schüsse von Gewehren und schwerer Artillerie zu hören. Menschen liefen um ihr Leben aus den umkämpften Stadtteilen, sagte Obeate. «Die ganze Stadt ist in Panik.»

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Die Boko-Haram-Miliz ist längst zur grössten Bedrohung für die Sicherheit in dem erdölreichen Land geworden. So wurde die eigentlich für diesen Samstag geplante Präsidentenwahl um sechs Wochen verschoben.

Tausende Tote seit 2009

Erst am Freitag hatte Boko Haram ein Dorf im Tschad angegriffen und mehrere Menschen getötet. Es war der erste bekannte tödliche Angriff der Miliz im Tschad. Boko Haram, was so viel bedeutet wie «westliche Bildung ist Sünde», kämpft seit 2009 für einen streng islamischen Staat nach den Grundsätzen der Scharia. Tausende Menschen wurden seither getötet. Die Miliz kontrolliert bereits weite Landesteile im Nordosten Nigerias und hat Hunderte Menschen verschleppt, darunter auch viele Kinder

(reuters/dbe)