Die Zahl der Asylsuchenden, die im Tessin eintreffen, ist in den letzten Tagen deutlich angestiegen. Sie sei doppelt so hoch wie vor einem Jahr, sagte der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi. Der Lega-Politiker will darum die Grenze schliessen
«Wenn der Andrang der Asylsuchenden aus Italien anhält, müssen wir die Grenze vorübergehend schliessen», wird Gobbi in der «NZZ am Sonntag» zitiert. Nur so könne die Schweiz Druck auf andere Staaten machen, die «ihren Pflichten nicht nachkommen» würden.

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«Wir erledigen die Arbeit für Italien und die EU, vor allem bei der Identifizierung der Migranten», sagte Gobbi in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag». Das Tessin sei im Asylbereich faktisch die Südgrenze Deutschlands.

«Wir müssen ein Zeichen setzen»

Angesprochen auf die Grenzschliessung in Ventimiglia durch Frankreich vergangene Woche und den Asylstopp in Österreich, mahnte Gobbi: «Wenn das Tessin zum einzigen offenen Tor in der Nähe von Mailand wird, ist klar, dass der Druck auf die Schweiz deutlich zunehmen wird.»

Vom Bund fordert Gobbi mehr Grenzwächter: «Wir müssen ein Zeichen setzten und illegale Einwanderer an der Südgrenze stoppen und zurückweisen.» Er sei weder gegen das Schengen-Abkommen noch gegen die Dublin-Verordnung, solange dies funktionieren. «Nur funktionieren sie zurzeit nicht.»

Lager ausserhalb Europas

Dem Vorschlag verstärkter Grenzposten erteilt FDP-Präsident Philipp Müller eine Absage. Stattdessen setzt der Aargauer Nationalrat auf eine frühzeitige Triage der Asylsuchenden – am besten in Lagern ausserhalb Europas.

«Wir können die Grenzen nicht dicht machen, das ist illusorisch», sagte Müller in einem Interview mit der «NZZ am Sonntag». Stattdessen gelte es, an einem anderen Punkt anzusetzen.

Schnelle Rückschaffung

Nötig sei es, Kriegsvertriebenen vorübergehend Schutz zu bieten – ohne den Aufwand eines Asylverfahrens. Denkbar seien Camps nahe an ihren Heimatländern, wo Flüchtlinge bleiben können, «bis in ihrer Heimat Frieden herrscht».

Zudem müssten Wirtschaftsflüchtlinge schon früh aus dem Asylbereich ausgeschieden und zurückgeschafft werden. «Die Triage, wer in Europa Asyl erhält und wer nicht, muss in diesen Sicherheits-Camps stattfinden», erklärte Müller. Wer es nach Italien oder Griechenland schaffe, müsse umgehend in die Lager zurückgebracht werden.

(sda/me)