Monatelang hatte sein Volk um ihn gebangt, nun ist Thailands König Bhumibol Adulyadej in Bangkok gestorben. Seit sieben Jahrzehnten war der 88-Jährige das Staatsoberhaupt des südostasiatischen Landes. Kein Monarch weltweit regierte länger.

Mehr als 20 Regierungschefs hat der passionierte Segler, Literatur- und Musikliebhaber kommen und gehen sehen. 15 Verfassungen wurden während seiner Regentschaft verabschiedet, und mindestens so viele Umstürze hat der in den USA und Europa aufgewachsene Bhumibol in Thailand erlebt.

Verehrt wie ein Gott

Bhumibol hatte in der konstitutionellen Monarchie Thailands vor allem repräsentative Aufgaben. Doch sein Urteil hatte Gewicht. Viele Untertanen verehrten Bhumibol wie eine Gottheit – die meisten kennen keinen anderen Monarchen als ihn.

Angesichts der seit Jahren andauernden politischen Krise galt er zudem als Integrationsfigur und als Garant für die Einheit Thailands bei dessen Wandel von einem semifeudalen Agrarstaat zu einem der asiatischen Tigerstaaten. Bhumibols Tod löste landesweit tiefe Trauer aus. Die offizielle Trauerzeit wurde auf ein Jahr festgesetzt.

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Herrscher in Uniform

Die meisten Porträts zeigen den bebrillten Herrscher in Uniform oder in freundlichem Kontakt zu seinen Untertanen. Bhumibols Geburtstag, der 5. Dezember, ist Nationalfeiertag. «Majestätsbeleidigung» wird in Thailand mit mehrjährigen Gefängnisstrafen geahndet.

Selbst zu Stosszeiten blieben die Fahrgäste in den U-Bahngängen stehen, wenn zu Ehren Bhumibols die Nationalhymne gespielt wurde. Das Kinopublikum erhob sich von den Sitzen, wenn vor dem Film die obligatorischen Aufnahmen des Königs über die Leinwand flimmerten.

Lenken statt eingreifen

Demonstrativ eingegriffen in die Politik hat Bhumibol nur selten. Doch gelenkt hat er die Geschicke seines Landes immer – und sei es nur, dass sich Putschisten bei ihm die Absolution für ihr Tun holten. So auch die derzeit regierende Militärjunta unter dem Vorsitzenden des Rats für nationalen Frieden und Aufrechterhaltung der Ordnung, General Prayut Chan-O-Cha.

Schon der Armeechef Sonthi Boonyaratglin, der vor zehn Jahren die Regierung von Ministerpräsident Thaksin Shinawatra stürzte, war ein Gefolgsmann Bhumibols. Dieser gab damals den Putschisten seinen Segen und erklärte in ihrem Sinne eine vorgezogene Parlamentswahl für «undemokratisch» und damit für null und nichtig.

General gemassregelt

In nur wenigen anderen Fällen nahm Bhumibol so unmittelbar Einfluss auf die Politik wie mit der Aufforderung zur Annullierung der Wahl. 1973 forderte er den Ministerpräsidenten Sanya Dharmasakti und seine Anhänger nach Studentenprotesten auf, vorübergehend das Land zu verlassen. Sie gehorchten.

1992 zitierte er den Regierungschef, General Suchinda Kraprayoon, in den Palast und demütigte ihn vor Fernsehkameras wegen der blutigen Niederschlagung eines Oppositionsprotests. Der General trat daraufhin zurück.

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In der Schweiz aufgewachsen

Bhumibol Aduljadej wurde am 5. Dezember 1927 in den USA geboren. Er wuchs unter anderem in Lausanne in der Schweiz auf. Er war der Neffe des Königs und für den Thron gar nicht vorgesehen. Doch sein Vater starb früh, der König dankte kinderlos ab, und sein älterer Bruder wurde mit 20 Jahren plötzlich erschossen in Bangkok im Palast gefunden.

Im Juni 1946 wurde er zum König ausgerufen und nach einer Zeit unter Regentschaft im Mai 1950 offiziell gekrönt. Vor seiner Krönung schloss der begeisterte Jazzsaxofonist, Komponist und Fotoamateur sein Studium in der Schweiz ab. 1950 heiratete er die damals 17-jährige Sirikit, mit der er drei Töchter und einen Sohn hat.

Jahre im Spital

Zurück in Thailand wandelte er sich zum engagierten Landesvater. Landauf, landab startete er Initiativen, um das Los der armen Bauern zu verbessern. Er probierte und forschte und erhielt zahlreiche Patente.

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Nach dem 60. Thronjubiläum wurde es aber still um ihn. Jahrelang war er im Spital mit Herz- und anderen Gesundheitsproblemen. Er zeigte sich nur noch selten in der Öffentlichkeit.

(sda/ise)