Nach dem überraschenden Rückzug ihrer Rivalin tritt Theresa May bereits am Mittwoch die Nachfolge David Cameron als britischer Premier an. Bei Labour spitzt sich der Kampf um Führung und Ausrichtung der Partei zu.

Amtsinhaber David Cameron kündigte am Montag an, mit seinem Rücktritt den Weg für die bisherige Innenministerin May an die Spitze der Konservativen Partei und der Regierung freizumachen. Kurze Zeit später bestätigte der Vorsitzende des zuständigen Tory-Komitees, Graham Brady, dass May offiziell zur Parteichefin der Konservativen Partei ernannt worden sei.

Leadsom zog Kandidatur zurück

Zuvor hatte Mays einzige Rivalin, Energie-Staatssekretärin Andrea Leadsom, überraschend ihre Kandidatur zurückgezogen. Ursprünglich wollten die Konservativen die Parteibasis entscheiden lassen und das Ergebnis Anfang September bekanntgeben.

Cameron hatte seinen Rückzug ursprünglich bis Oktober angekündigt, nachdem die Briten beim Referendum am 23. Juni mehrheitlich für einen EU-Austritt abgestimmt hatten.

EU-Austritt ist gesetzt

May wird die Austrittsverhandlungen mit der EU führen. Sie hatte am Montag bekräftigt, Grossbritannien nach dem historischen Referendum vom 23. Juni aus der Europäischen Union führen zu wollen. "Brexit bleibt Brexit, und wir werden einen Erfolg daraus machen", sagte May bei einem Auftritt im zentralenglischen Birmingham.

«Es wird keine Versuche geben, in der EU zu bleiben, es wird keine Versuche geben, durch die Hintertür wieder hinein zu kommen, kein zweites Referendum», fügte die Innenministerin hinzu. Die 59-jährige May wäre die zweite Premierministerin in der Geschichte Grossbritanniens. Von 1979 bis 1990 hatte Margaret Thatcher als Regierungschefin die Geschicke des Landes bestimmt. Cameron hatte nach dem historischen Brexit-Votum der Briten vom 23. Juni seinen Rücktritt bis zum Herbst angekündigt und den EU-Austritt Grossbritanniens seinem Nachfolger überlassen.

Machtkampf bei Labour

Derweil spitzte sich der Machtkampf bei der oppositionellen Labour-Partei zu: Die Abgeordnete Angela Eagle machte am Montag ihre Bewerbung um den Vorsitz der Partei offiziell. «Dies sind dunkle Zeiten für Labour, und sie sind gefährlich für unser Land», sagte die 55-jährige Ex-Gewerkschafterin an einer Medienkonferenz am Montag. Der amtierende Parteichef Jeremy Corbyn sei «unfähig, die Führung zu auszuüben, die für diese riesige Aufgabe nötig ist», fügte sie in Anspielung auf den Brexit hinzu.

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Eagle zählte zu Corbyns Schattenkabinett, bevor eine parteiinterne Revolte gegen ihn losbrach. Nach dem Votum für den EU-Austritt Grossbritanniens geriet der Parteichef unter Druck. Viele warfen ihm vor, sich nur halbherzig gegen einen Brexit eingesetzt zu haben.

Wenig Rückhalt in der Fraktion

Ende Juni stimmten nur 40 Labour-Abgeordnete in einer nicht bindenden Vertrauensabstimmung für ihn, 172 aber gegen ihn. Corbyn blieb dennoch im Amt und verwies darauf, dass er von den Parteimitgliedern mit grosser Mehrheit gewählt worden sei. Im Führungskader der Partei hat er allerdings nie die grosse Mehrheit hinter sich gebracht, weil er vielen Abgeordneten zu links ist und sie ihm nicht zutrauen, auch in der Mitte Stimmen und damit Wahlen zu gewinnen.

Umstritten ist nun, ob Corbyn als amtierender Parteichef automatisch ebenfalls zur Wahl steht oder ob auch er die Unterstützung von 50 Abgeordneten zusammenbringen müsste

(mbü)