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Gewalt
Theresa May will Kampf gegen Terror verschärfen

Theresa May: Härtere Gangart gegen Terror angekündigt. Keystone

Bei einem Terrorangriff in London starben sieben Menschen, über 50 wurden verletzt. Bundespräsidentin Doris Leuthard zeigt ihre Betroffenheit. Die britischen Wahlen sollen trotz Anschlag stattfinden.

Veröffentlicht am 04.06.2017

Wenige Tage vor der britischen Unterhauswahl sind bei Anschlägen in London mindestens sieben Menschen getötet worden. Die Londoner Polizei bestätigte am Vormittag ein siebtes Todesopfer. 

Drei mutmassliche Extremisten seien am Samstagabend auf der London Bridge mit einem Kleintransporter in Fussgänger gerast, sagte der Chef der Anti-Terror-Polizei, Mark Rowley, am Sonntagmorgen. Dann hätten sie im nahe gelegenen Touristen- und Vergnügungsviertel Borough Market mit Messern auf Menschen eingestochen. Die Angreifer seien von Polizisten erschossen worden.

Mehr als 50 Menschen verletzt

Premierministerin Theresa May hat die Anschläge als abrutalen Angriff auf unschuldige Bürger gebrandmarkt und eine härtere Gangart gegen den Terrorismus angekündigt. Nach dem dritten Anschlag in Grossbritannien binnen weniger Monaten dürfe man nicht länger vorgeben, alles könne so weitergehen wie bisher, sagte May am Sonntag in einer im Fernsehen übertragenen Rede.

Notwendig sei vielmehr eine klare Verurteilung der Ideologie hinter der Gewalt, neue Gesetze zur Internetkontrolle, ausreichende Befugnisse der Sicherheitskräfte im Kampf gegen den Terrorismus und gegebenenfalls höhere Strafen auch für kleinere Verbrechen. May rief die Briten dazu auf, als Gesellschaft geschlossen dem Extremismus den Kampf anzusagen.

Viele Verletzte in kritischem Zustand

Zu der Tat bekannte sich zunächst niemand. Neben den Todesopfern sind mehr als 50 Menschen verletzt worden. Nach Angaben der Notarztdienste wurden 48 Verletzte in fünf Krankenhäuser der Stadt eingeliefert. Weitere Personen mit leichteren Blessuren seien vor Ort medizinisch versorgt worden. Viele Verletzte  befinden sich in kritischem Zustand.

Bundespräsidentin Doris Leuthard hat sich betroffen zu den Tagen geäussert. In einem Tweet verurteilte Leuthard die Tat «aufs Schärfste«. Aussenminister Didier Burkhalter versicherte seinem britischen Amtskollegen Boris Johnson die Solidarität der Schweiz.

Angaben zu allfälligen Schweizer Opfern lägen bis zur Stunde keine vor, teilte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Sonntagmorgen auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda mit.

«In Entsetzen und Trauer vereint»

Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel reagierte am Sonntag bestürzt auf den Anschlag und sicherte Grossbritannien Deutschlands Solidarität zu. «Wir sind heute über alle Grenzen hinweg im Entsetzen und der Trauer vereint, aber genauso in der Entschiedenheit», erklärte Merkel.

«Ich bekräftige für Deutschland: Im Kampf gegen jede Form von Terrorismus stehen wir fest und entschlossen an der Seite Grossbritanniens.» Sie bekundete den Opfern und ihren Angehörigen ihre Anteilnahme.

Zuvor hatte auch US-Präsident Donald Trump London seine Hilfe angeboten. Zugleich warb er per Twitter für sein umstrittenes Einreiseverbot für Muslime aus bestimmten Ländern. Die Vorfälle zeigten, dass dies als zusätzliche Sicherheitsmassnahme notwendig sei.

«Drei Männer mit langen Messern»

Ein weisser Van habe auf der London Bridge zahlreiche Passanten umgefahren, sagte ein Taxifahrer der BBC. «Dann sind drei Männer mit langen Messern ausgestiegen.« Sie hätten wahllos auf Menschen eingestochen.

Es habe so ausgesehen als ob der Van gezielt auf Menschengruppen zugesteuert sei, sagte der 53-jährige Mark Roberts. «Ich war wie versteinert. Ich wusste nicht, was ich tun sollte.» Augenzeugen zufolge suchten viele Schutz in den umliegenden Bars. BBC Radio berichtete, dass die Menschen mit Tischen und Stühlen nach den Angreifern geworfen hätten, um sich zu schützen.

Erinnerungen an Anschlag im März und Manchester

CNN zufolge drangen im Bereich Borough Market zwei Männer in ein Restaurant ein und stachen einer Kellnerin in den Hals und einem Mann in den Rücken. Die Gegend ist wegen ihrer Bars und Restaurants beliebt. Die Polizei rief die Bevölkerung auf, den Bereich zu meiden und wachsam zu sein. In den nächsten Tagen werde die Polizeipräsenz in der britischen Hauptstadt verstärkt, kündigte Rowley an.

Die Vorfälle in London wecken Erinnerungen an einen islamistisch motivierten Anschlag im März. Dabei tötete ein 52-Jähriger auf der Westminister Bridge mit einem Auto zwei Menschen und verletzte weitere. Anschliessend erstach er auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten und wurde schliesslich erschossen.

Wahlen am Donnerstag

Die Extremistenmiliz Islamischer Staat rief am Samstag über den Nachrichtendienst Telegram seine Anhänger auf, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan mit Lastwagen, Messern und Waffen gegen «Kreuzritter« vorzugehen. In den vergangenen Jahren hat es ähnliche Anschläge in Paris, Nizza, Berlin und Brüssel gegeben.

In Grossbritannien wird an diesem Donnerstag gewählt. Regierungschefin May erklärte, die Unterhauswahlen würden wie geplant am Donnerstag stattfinden. Der von ihren eigenen Konservativen sowie der oppositionellen Labour-Partei unterbrochene Wahlkampf werde schon morgen wieder aufgenommen. Es könne nicht zugelassen werden, dass Gewalt den demokratischen Prozess aufhalte.

22 Tote in Manchester

Bereits nach dem Anschlag in Manchester vor knapp zwei Wochen hatten May und auch der Chef der Labour-Partei, Jeremy Corbyn, ihre Kampagnen unterbrochen. In sozialen Medien gab es unterdessen Forderungen nach einer Verschiebung der Parlamentswahl.

Eine Verschiebung der Unterhauswahlen hatte der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan am Sonntag abgelehnt. Die Briten könnten zeigen, dass sie sich nicht einschüchtern lassen, indem sie am Donnerstag ihre Stimme abgäben. «Eines der Dinge, die diese Terroristen hassen, sind Wahlen. Sie hassen Demokratie.»

Es habe sich um einen feigen Angriff auf unschuldige Bürger und Besucher gehandelt, die London an einem Samstagabend geniessen wollten. Die Terrorwarnstufe bleibe auf dem Niveau, bei dem von einer hohen Wahrscheinlichkeit von Anschlägen ausgegangen wird.

Benefizkonzert am Sonntag

Nach dem Anschlag in Manchester am 22. Mai schrumpfte der Vorsprung der Konservativen von May in den Umfragen. Bei dem Selbstmordattentat in der nordenglischen Stadt nach einem Pop-Konzert der US-Sängerin Ariana Grande wurden 22 Menschen getötet und 116 verletzt.

Grande gibt am Sonntag ein Benefizkonzert zugunsten der Opfer. Bei der Veranstaltung «One Love Manchester« treten auch Popgrössen wie Justin Bieber, Miley Cyrus und Katy Perry auf.
Schon der Anschlag von Manchester schürte Sicherheitsbedenken auch über die Grenzen von Grossbritannien hinaus. In Deutschland wurde am Freitagabend das Musikfestival «Rock am Ring« wegen einer Terrorwarnung unterbrochen. Es konnte am Samstag nach Entwarnung durch die Polizei fortgesetzt werden.

(reuters/sda/me)
 

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