Die Nagra will die Suche nach einem Standort für ein geologisches Tiefenlager auf Jura Ost und Zürich Nordost einschränken. Vier ebenfalls untersuchte Gebiete wären damit bereits jetzt aus dem Rennen. Das Seilziehen dürfte nun aber erst recht beginnen. Entscheiden muss der Bundesrat.

Dieser hat die Nationale Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) 2011 beauftragt, mindestens je zwei Lagerstandorte für hochradioaktive sowie für schwach- und mittelradioaktive Abfälle vorzuschlagen. Als geeignete Gebiete waren neben Jura Ost im Kanton Aargau und Zürich Nordost in den Kantonen Zürich und Thurgau auch Jura-Südfuss (SO/AG), Nördlich Lägern (ZH/AG), Südranden (SH) und Wellenberg (NW/OW) identifiziert worden.

Statt vier hat die Nagra am Freitag nun aber lediglich zwei Standorte vorgeschlagen. Diese eignen sich gemäss den Untersuchungen der Nagra sowohl zur Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen als auch für hochradioaktive Abfälle oder für ein Kombi-Lager.

Gut und besser

Alle sechs untersuchten Gebiete erfüllten die Anforderungen, um ein sicheres geologisches Tiefenlager bauen zu können, erklärte Nagra-Chef Thomas Ernst vor den Bundeshausmedien. «Jura Ost und Zürich Nordost erfüllen die Anforderungen aber am besten.»

Bei der Untersuchung der Standorte hat sich die Nagra auf vier Hauptkriterien gestützt: Die Einschlusswirksamkeit des Gesteins, die Langzeitstabilität, die Zuverlässigkeit der Voraussagen und die bautechnische Machbarkeit eines Tiefenlagers.

Langes Verfahren

Die Nagra-Ergebnisse werden nun vom Nuklearsicherheitsinspektrorat ENSI, der Kommission für nukleare Sicherheit (KNS), Bundesstellen und den Kantonen analysiert. 2016 wird eine öffentliche Anhörung durchgeführt, voraussichtlich Mitte 2017 entscheidet der Bundesrat, ob er den Antrag der Nagra unterstützt.

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Gemäss diesem Zeitplan würde frühestens 2019 ein Rahmenbewilligungsgesuch eingereicht, ein definitiver Standortentscheid des Bundesrats wäre für 2027 zu erwarten. Danach müssen noch das Parlament und das Volk den Standort absegnen.

Eine Zürcher Bahnhofshalle voll Atommüll

Jedes Jahr fallen in den fünf Schweizer AKW rund 75 Tonnen verbrauchter Brennstoff an. Je nach Laufzeit der Anlagen ergibt dies nach Angaben der Nagra am Ende 3000 bis 4300 Tonnen hochradioaktiven Abfall. Das sind 7300 Kubikmeter, was etwa dem Volumen von sieben Einfamilienhäusern entspricht.

Deutlich grösser ist die Menge schwach- und mittelradioaktiver Abfälle. Das Volumen wird auf 60'000 Kubikmeter geschätzt. Hinzu kommen rund 33'000 Kubikmeter aus Medizin, Industrie und Forschung. Das Gesamtvolumen der radioaktiven Abfälle von 100'000 Kubikmetern entspricht etwa der Grösse der Zürcher Bahnhofshalle.

(sda/ise/chb)