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Ägypten
Tödliche Schüsse am «Freitag des Zorns»

Kairo: Männer tragen einen Erschossenen von einer Strasse weg. (Bild: Keystone)

Zwei Tage nach der Absetzung des gewählten Präsidenten Mohammed Mursi hat es bei Protesten gegen das Militär Tote und Verletzte gegeben.

Veröffentlicht am 05.07.2013

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind bei einer Demonstration nach Angaben aus Sicherheitskreisen mindestens drei Menschen erschossen worden. Die Armee bestritt, scharfe Munition eingesetzt zu haben. In Ismailia trieben Soldaten mit Warnschüssen eine Menschenmenge auseinander, die den Palast des Gouverneurs stürmen wollte.

Auch in anderen Städten folgten Tausende Islamisten dem Aufruf zu einem «Freitag des Zorns». Die Gegner Mursis gingen ebenfalls auf die Strasse.

Zu den Todesschüssen kam es in der Nähe einer Kairoer Kaserne, in der Mursi unter Arrest steht. Hunderte Demonstranten versuchten nach Berichten von Zeugen, zu dem Gelände vorzudringen. Dann seien Schüsse gefallen und er habe mehrere von Kugeln getroffene Menschen zusammenbrechen gesehen, sagte ein Augenzeuge.

Armee widerspricht

In Sicherheitskreisen war von drei Toten die Rede, die von Militärs erschossen worden seien. Dem widersprach die Armee. Die Soldaten hätten lediglich Platzpatronen und Tränengasgranaten abgefeuert, sagte ein Armeesprecher. Zunächst war unklar, ob ausser der Armee dort auch andere Sicherheitskräfte im Einsatz waren.

Beim Schusswaffeneinsatz in Ismailia gab es dagegen keine Toten und Verletzten. Die Islamisten seien durch die Warnschüsse vertrieben worden, hiess es in Sicherheitskreisen. In Damanhur im Nildelta kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Anhängern und Gegnern Mursis. Dabei erlitten Sicherheits- und Krankenhauskreisen zufolge 21 Menschen Verletzungen. Drei seien mit Schusswunden ins Krankenhaus gebracht worden.

Auch die Gegner Mursis, die sich der Nationalen Heilsfront zusammengeschlossen haben, gingen auf die Strasse. Sie beschuldigten die Islamisten der Konterrevolution und riefen zur Verteidigung der Revolution auf. Mursi war am Mittwoch nach gut einem Jahr im Amt gestürzt worden. Seine Gegner wehren sich gegen Pläne zur Islamisierung des Landes und machen ihn für die Wirtschaftsmisere verantwortlich.

Börse geschlossen

Vor der Rabaa-Adaweja-Moschee in einem Kairoer Vorort strömten um die Mittagszeit Tausende Mursi-Anhänger zu ihrem traditionellen Versammlungsort. «Nieder mit der Militärherrschaft», riefen etwa 50 Männer, die in Sprechchören auch den Heiligen Krieg für Ägypten forderten. Später ging die Zahl in die Zehntausende. Etliche Demonstranten erklärten sich bereit, notfalls den Märtyrer-Tod zu sterben.

Die Armee hatte angekündigt, die Demonstranten gewähren zu lassen. Sie werde nur bei Gewalttaten einschreiten. Ausserdem werde sie eine direkte Konfrontation der verfeindeten Lager verhindern. Mehrere Hundert Meter von Barrikaden an der Rabaa-Adaweja-Moschee fuhr die Armee mit gepanzerten Fahrzeugen vor. Über den Platz flogen Kampfjets, deren Kondensstreifen in den ägyptischen Nationalfarben eingefärbt waren.

Die Lage am Markt für Credit Default Swaps (CDS) entspannte sich unterdessen weiter. So verbilligte sich die Absicherung eines 10 Millionen Dollar schweren Pakets ägyptischer Staatsanleihen am Freitag um 146'000 auf 717'000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Angesichts der Staatskrise waren die Prämien vor einigen Tagen auf ein Rekordhoch von 925'000 Dollar gestiegen. Die ägyptische Aktienbörse blieb - wie in vielen anderen muslimischen Ländern - geschlossen. 

(tno/chb/reuters)

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