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Wahlen
Tokio jubelt, Istanbul und Madrid trauern

Frauen erfahren den Entscheid aus einer Zeitung: Tokio siegte knapp. (Bild: Keystone)

Japans Hauptstadt ist Gastgeber der Olympischen Sommerspiele 2020. Tokio setzte sich bei der Abstimmung der Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees gegen Istanbul und Madrid durch.

Veröffentlicht am 08.09.2013

Die japanische Hauptstadt setzte sich bei der Wahl des Gastgebers der Olympischen Sommerspiele 2020 am Samstag bei der entscheidenden Abstimmung der Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im argentinischen Buenos Aires durch - wenn auch erst in der Stichwahl. Japan hatte zuvor noch einmal versichert, Tokio sei trotz seiner Nähe zum havarierten Atomkraftwerk Fukushima sicher. 

Die Entscheidung war diesmal so knapp wie selten zuvor. Bis zum Schluss hatte sich in dem seit zwei Jahren währenden und viele Millionen Dollar verschlingenden Casting keiner der drei Bewerber einen klaren Vorsprung herausarbeiten können. Deshalb hatte es im Vorfeld am Samstag geheissen, die Schluss-Präsentation, bei der jedes Land noch einmal in rund 70 Minuten seine Vorzüge herausarbeiten sollte, werde entscheidend sein.

Nach der Auszählung der Stimmen der ersten Wahlrunde ging es dann turbulent zu: Tokio hatte die meisten Stimmen erhalten, Madrid und Istanbul hingegen gleich viele. Also musste eine Stichwahl her, wer den zweiten Platz belegt und damit in das Finale einzieht. Hier setzte sich Istanbul durch. Einige türkische Unterstützer hatten das - auch nach einer Reihe verwirrender Erklärungen - indes so verstanden, dass Istanbul bereits den Zuschlag für die Spiele bekommen hat und jubelten. IOC-Präsident Jacques Rogge musste für Klarheit sorgen.

Kein muslimisches Land

Am Ende herrschte dann aber grenzenloser Jubel in Japan, als Rogge Tokio zum Sieger erklärte. Der japanische Regierungschef Shinzo Abe hatte in Tokios Schluss-Bewerbung dem IOC versichert, die Probleme beim 2011 havarierten Atomkraftwerk Fukushima seien unter Kontrolle und es gebe keine gesundheitlichen Risiken. Eigentlich hatte Tokio bei Beobachtern zusammen mit Madrid als leichter Favorit gegolten, doch die jüngsten Nachrichten über neue radioaktive Belastungen hatten dann doch wieder Sorgen aufkommen lassen. Abe hob indes die wirtschaftliche Stärke, die Sportbegeisterung der Japaner und die reibungslose Abwicklung anderer grosser Sportveranstaltungen in der Vergangenheit heraus. Tokio richtete bereits 1964 die Olympischen Sommerspiele aus.

Als erstes der drei Länder, so hatte es das Los bestimmt, stellte sich Istanbul in Buenos Aires vor. Ministerpräsident Erdogan forderte dabei das IOC auf, mit der Tradition zu brechen, die Spiele nicht an ein von Muslimen dominiertes Land zu vergeben. «Wir leben in einer Zeit, in der sich unsere Region und die Welt nach Frieden sehnen. Und in diesem kritischen Moment möchten wir gerne ein starkes Signal des Friedens in die ganze Welt senden», sagte er. Vor der Wahl hatte es geheissen, zwei Dinge könnten für Istanbul problematisch werden: Der Nachbar Syrien, wo seit zwei Jahren Bürgerkrieg herrscht und dem schon bald ein Militärschlag drohen könnte. Und die Unruhen in Istanbul vom Sommer, die sich zu Massendemonstrationen gegen Erdogan ausgeweitet hatten und bei denen vier Menschen getötet und rund 7500 verletzt worden waren. Damals war das harsche Vorgehen der Sicherheitskräfte vielfach kritisiert worden.

Reelle und verlässliche Spiele

Für Spanien hatte sich Ministerpräsident Mariano Rajoy ins Zeug gelegt. «Spanien bietet sichere, reelle und verlässliche Spiele.» Er warb auch damit, dass das Land viel der bestehenden Infrastruktur nutzen wolle und ein eher kleines Budget plane. Spanien hat einer Arbeitslosigkeit von fast 30 Prozent zu kämpfen. Madrid stellte die Not als Tugend dar und zog eine Parallele zu den Sparspielen von London 1948, die ersten Sommerspiele nach dem Zweiten Weltkrieg. Letztlich bewarb sich Madrid aber das dritte Mal in Folge vergeblich. Spanien hatte schon 1982 in Barcelona die Spiele ausgerichtet.

(reuters/se)

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