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Tod
Top-Gewerschafter stirbt auf 1. Mai

André Daguet: Zusammen mit Peter Bodenmann (l.) lange das Powerduo der SP.   Keystone

André Daguet, Mitherausgeber von Work und lange prägende Figur der Sozialdemokraten, ist an einer schweren Muskelkrankheit gestorben.

Veröffentlicht am 01.05.2015

Der frühere Berner SP-Nationalrat André Daguet ist gestorben. Er erlag in der Nacht auf Freitag der schweren Muskelkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), wie die Gewerkschaft Unia mitteilte.

Daguet war von 1980 bis 1986 Zentralsekretär der Schweizer Sektion von Amnesty International. Von November 1986 bis Dezember 1996 war er Generalsekretär der SP Schweiz und bis zu seiner Pensionierung im Juli 2009 war er hauptberuflich Gewerkschafter. Zusammen mit Peter Bodenmann konnte er für die SP diverse politische Erfolge vorweisen - die zwei galten als «Dream Team» der Linken und kompromisslose Widersacher von Blochers SVP.

«Von links her Schweiz aufgemischt»

Bodenmann würdigte seinen langjährigen Mitstreiter mit folgenden Worten: «André Daguet arbeitete für Amnesty International. Ging dann zur SP, wo wir mit vielen in den neunziger Jahren die Schweiz von links her etwas aufmischten. Und weiter zu den Gewerkschaften.»

Und weiter: «Sein Leben war sein Programm: Gegen politische Unterdrückung. Für eine soziale und ökologische Schweiz in der EU. Mehr Rechte für die Frauen und die Lohnabhängigen. National und international. André liebte das Leben, die Widersprüche und die Menschen. Und musste - an ALS erkrankt - zu früh gehen», schreibt Bodenmann in einer kurzen Würdigung.

Daguets Partei nahm tief betroffen Kenntnis vom Hinschied Daguets. SP-Präsident Christian Levrat würdigte Daguet in einer Mitteilung der SP als einen «glaubwürdigen und ehrlichen Politiker», der immer den Draht zu den Menschen gefunden habe. «Er hat die Schweizer Sozialdemokratie über Jahrzehnte geprägt.»

Bis zuletzt aktiv

Daguet war auch Mitherausgeber der Gewerkschaftszeitung Work. Von den Wahlen 2003 bis zu seinem Rücktritt 2011 war Daguet Nationalrat. Er engagierte sich für Anliegen des Umweltschutzes, für einen starken Sozialstaat sowie für eine gesellschaftliche Liberalisierung. Sehr kritisch stand er wirtschaftlichen Liberalisierungsbestrebungen, einer restriktiven Finanzpolitik, Forderungen nach mehr Recht und Ordnung und einer restriktiven Migrationspolitik gegenüber. Daguet hatte sich trotz seiner Krankheit noch bis zuletzt mit E-Mails an andere Politikerinnen und Politiker am politischen Tagesgeschehen beteiligt.

Schon länger angeschlagen

Er war schon länger gesundheitlich angeschlagen: Im Mai 2010 erlitt er einen Herzstillstand, konnte aber erfolgreich wiederbelebt werden. Im Februar 2011 gab er seinen Rücktritt auf den 30. Mai 2011 aus dem Nationalrat bekannt. Obwohl er sich gesundheitlich wieder gut fühlte, war es ihm immer mehr bewusst geworden, dass man die Chance nicht verpassen sollte, sich dann zu verabschieden, «solange man dies mit aufrechtem Gang und gesund tun kann.»

ALS ist eine seltene Muskelkrankheit. Einer der prominentesten ALS-Kranken ist der Astrophysiker Stephan Hawking.

(sda/chb)

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