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Probleme
Totales Chaos an Absturzstelle von MH17

Rebellen am Absturzort: Sie sind schwer bewaffnet.  Keystone

Maskierte Rebellen, Gefechtslärm und weggeschaffte Trümmerteile und Leichen - Eine geordnete Untersuchung des Absturzes von Flug MH17 in der Ostukraine ist schwierig. Die Experten werden behindert.

Veröffentlicht am 20.07.2014

Nach Angaben des Schweizer OSZE-Botschafters Thomas Greminger halten sich an der Absturzstelle zu viele Leute auf. «Es hat zu viele Leute. Das beunruhigt uns», sagte er in einem Interview in der «SonntagsZeitung» und in «Le Matin Dimanche». Es hielten sich Rebellen, Journalisten und bald auch internationale Delegationen sowie Angehörige bei der Absturzstelle auf. «Immerhin wurde am Samstagnachmittag eine Sicherheitsabschrankung eingerichtet.»

Wenig vertrauenserweckend seien die Leute vor Ort: «Die Rebellen sind schwer bewaffnet - und das ist noch ziemlich diplomatisch ausgedrückt», sagte Greminger weiter. Unklar sei auch, ob die Separatisten die Gruppen unter Kontrolle hätten. «Unsere Beobachter kehren zu ihrer eigenen Sicherheit abends nach Donezk zurück». Der Zugang für die OSZE-Beobachter sei noch immer unzureichend.

Experten auf dem Weg

Heute wollen 132 malaysische Experten, darunter Ärzte und Militärs, zum Absturzort fahren. Sie waren am Samstag in Kiew gelandet. Der niederländische Aussenminister Frans Timmermans kam ebenfalls mit einer Gruppe von 15 Experten in der ukrainischen Hauptstadt an. Auch die Schweiz bot an, Experten zu schicken. Etwa 100 Tote wurden bislang nicht geborgen. Ihre Leichen dürften in einem Umkreis von vielen Kilometern verstreut liegen.

Im Osten der Ukraine herrschen hochsommerliche Temperaturen. Leichensäcke würden am Strassenrand für den Weitertransport deponiert, sagte Greminger. Zur Blackbox, welche die Rebellen nach eigenen Angaben besitzen sollen und der OSZE übergeben wollen, sagte Greminger: «Wir versuchen, an die Aufzeichnungen zu gelangen, aber bis jetzt haben wir sie noch nicht.»

Leichen abtransportiert

Die Separatisten gaben zuvor zu, sterbliche Überreste von der Absturzstelle der Passagiermaschine abtransportiert zu haben. «Einige Dutzend Leichen», die mitten in der Ortschaft Grabowo gelegen hätten, seien «in Anwesenheit von OSZE-Beobachtern» nach Donezk gebracht worden, sagte der Rebellensprecher Sergej Kawtaradse. «Es war aus hygienischen Gründen unmöglich, sie weiter dort liegen zu lassen», sagte Kawtaradse. Die Leichen würden in Donezk ausländischen Experten übergeben. Zuvor hatte die ukrainische Führung den Aufständischen vorgeworfen, Beweismaterial vom Absturzort zu entwenden. Diese Vorwürfe hatten die Separatisten zurückgewiesen. Sie bestritten auch den Abtransport von Leichen.

Die Hintergründe der Katastrophe sind weiter unklar. Nach Angaben von US-Präsident Barack Obama sind dafür sehr wahrscheinlich die moskautreuen Kräfte verantwortlich. Die Boden-Luft-Rakete, die das Flugzeug abgeschossen habe, sei aus einem von prorussischen Separatisten kontrollierten Gebiet abgefeuert worden, sagte Obama. Die US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Samantha Power, hatte eine Verstrickung Russlands in den Abschuss von Flug MH 017 angedeutet. «Wir können nicht ausschliessen, dass russisches Personal beim Betrieb dieser Systeme geholfen hat», sagte sie bei einer Sondersitzung des Uno-Sicherheitsrats in New York.

Russland lehnt Verantwortung ab

Die russische Führung wies jegliche Verantwortung von sich und kritisierte Berichte über einen angeblichen Abschuss der Maschine als «voreilig». Damit sollten offenbar Ermittler beeinflusst werden, teilte das Aussenministerium in Moskau mit.

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