Wäre in der vergangenen Woche abgestimmt worden, hätte eine Mehrheit der Stimmenden die Goldinitiative abgelehnt. Eine Mehrheit fand das Anliegen in der Trendumfrage zur Abstimmung vom 30. November nur in der SVP-Anhängerschaft.

Das geht aus der am Mittwoch veröffentlichten zweiten Trendumfrage hervor, die das Meinungsforschungsinstitut gfs.bern im Auftrag der SRG zur Abstimmung am 30. November durchgeführt hat. 38 Prozent der Befragten hätten gemäss der Umfrage ein Ja zur Volksinitiative «Rettet unser Schweizer Gold» eingelegt.

Trend in Richtung Nein

Bei der ersten Trendumfrage Mitte Oktober hatten noch 44 Prozent die Initiative befürwortet, die die Goldlagerung in der Schweiz vorschreibt und eine 20-prozentige Goldquote für die Bilanz festlegen will. Dagegen wuchs das Lager der Gegner: 47 (Oktober: 39) Prozent lehnten die Initiative ab. 15 Prozent waren unentschlossen.

Die gfs-Forscher sehen trotz des Nein-Überhangs noch Spielraum für Veränderungen. Der Trend in der Meinungsbildung verweise in Richtung Nein, hiess es in der Mitteilung des gfs.bern. Allein unter den SVP-Anhängern fand die Vorlage eine Zustimmung von 62 (Oktober: 70) Prozent.

Befürworter schrumpfen stark

Stark geschrumpft ist das Lager der Befürworter bei den Parteiungebundenen: Stimmten im Oktober noch 50 Prozent von ihnen der Initiative zu, waren es im November noch 29 Prozent. Weitere 29 Prozent aus dieser Gruppe - mehr als im Oktober - gaben sich allerdings noch unentschlossen.

Die Wählerschaft von SP, FDP, CVP und Grünen dagegen lehnte die Goldinitiative mehrheitlich ab. Nach Angaben von gfs.bern wird erwartet, dass die Ablehnung der Initiative im Zug der Abstimmungskampagne zunimmt. Das entspreche dem Szenario für Volksinitiativen mit zunehmender Opposition.

Wie das Schweizer Stimmvolk über die Goldinitiative entscheidet, interessiert auch an den Kapital- und Edelmetallmärkten. Würde mit einem Ja die Handlungsfreiheit der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eingeschränkt, hätte dies Auswirkungen auf den Goldpreis und den Frankenkurs.

Goldpreis gibt umgehend nach

Die Ergebnisse der am Mittwoch publizierten Trendumfrage haben die Hoffnungen von Goldhändler und -spekulanten auf schnelle Gewinne gedämpft. Der Preis für eine Feinunze Gold gab nach Bekanntgabe der Umfrageergebnisse deutlich nach.

Er sank innerhalb von Minuten um über ein Prozent auf unter 1179 Dollar pro Feinunze. Mit ein Grund dafür dürfte sein, dass mit dem deutlichen Anstieg des Nein-Anteils in der Umfrage auf 47 Prozent die Wahrscheinlichkeit deutlich gesunken ist, dass die SNB massiv Gold zukaufen muss.

Entlastung am Devisenmarkt

Die Umfrageergebnisse haben aber auch am Devisenmarkt für eine Entlastung der SNB gesorgt. Der Euro ist nach der Bekanntgabe von 1.2014 in einem Sprung auf 1.2019 angestiegen. Seit September 2011 garantiert die Nationalbank einen Euro-Mindestwechselkurs von 1.20 Franken, um die Exportwirtschaft zu stützen.

In den letzten Tagen ist diese Untergrenze mehrfach getestet worden, weil Investoren davon ausgehen, dass bei einer Annahme der Goldinitiative die SNB die Untergrenze nicht mehr garantieren kann.

Gemäss Karsten Junius, dem Chefökonom der Bank J. Safra Sarasin, sind es vor allem Finanzinvestoren aus dem angelsächsischen Raum, die an der Standhaftigkeit der SNB zweifeln. Das zeige der Umstand, dass die meisten Franken-Absicherungsgeschäfte auf das Datum des Urnengangs abgeschlossen worden seien.

Informationspolitik geändert

Mit solchen Geschäften können sich Investoren und auch Unternehmen gegen eine starke Veränderung des Wechselkurses absichern. Im aktuellen Fall sind es jedoch laut Junius vor allem Wetten darauf, dass die Untergrenze fällt.

Die Aussicht auf Erfolg sei jedoch äusserst gering. «Die SNB wird die Untergrenze auf alle Fälle verteidigen», sagt Junius auf Anfrage der sda. Die Goldinitiative sei für den Devisenkurs auch nur «ein kleiner Kick». Viel wichtiger für den Euro-Frankenkurs sei die Lockerung der Geldpolitik der Europäische Zentralbank (EZB).

Mit Blick auf die zweite Trendumfrage änderte die SRG die Informationspolitik: Werden normalerweise die Ergebnisse vorab in den Redaktionen der SRG-Sender breit gestreut, wurde dieses Mal der Kreis der Empfänger sehr eng gezogen. Das sollte das Risiko senken, dass jemand die noch unveröffentlichten Informationen für Geschäfte am Goldmarkt nutzt oder weitergibt.

(sda/dbe)

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