An der bernischen Volksschule wird das Erlernen der Landeshymne nicht zum Pflichtstoff. Das Berner Kantonsparlament hat einen Vorstoss aus den Reihen der SVP abgelehnt.

SVP-Grossrätin und Lehrerin Sabina Geissbühler-Strupler hatte die Idee aufs Tapet gebracht und gefordert, das Erlernen der Hymne sei im Lehrplan festzuschreiben. Sie habe bei der Fussball Europameisterschaft 2008 miterlebt, wie ihre Schülerinnen und Schüler mit Begeisterung einen Fussballrap aber auch Landeshymnen verschiedener Nationen singen gelernt hätten, begründete Geissbühler-Strupler ihren Vorstoss.

Unterstützung erhielt sie insbesondere aus den eigenen Reihen und von der FDP. Deren Kantonalpräsident und Grossrat Pierre-Yves Grivel gab am Rednerpult gleich mehrere Landeshymnen zum Besten. Die Regierung und eine Mehrheit des Grossen Rates stellte sich aber auf den Standpunkt, im Lehrplan seien Lernziele, aber keine konkreten Lerninhalte festzuschreiben. Mit 76 zu 60 Stimmen lehnte das Kantonsparlament den Vorstoss ab.

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Kehrreim

Der Schweizerpsalm beschäftigt kantonale Parlamente immer wieder. So hat der Tessiner Grosse Rat erst im Mai die Landeshymne zum Pflichtstoff an Schulen erklärt. Als Vorbild diente eine analoge Entscheidung des Aargauer Parlaments aus dem Jahr 2008, die ein Jahr später aber abgeschrieben wurde.

Erst vor vier Jahren weigerte sich der Nationalrat, jeweils zu Sessionsbeginn die erste Strophe der Landeshymne zu singen. Eine entsprechende Motion wurde knapp abgelehnt.

Doch nicht nur das Singen des Schweizerpsalms beschäftigt die Politik, sondern auch dessen Text. Die Idee eines Wettbewerbs unter Kulturschaffenden für einen neue Wortlaut der Nationalhymne stiessen beim Bundesrat 2008 auf taube Ohren. 2006 war der politische Wunsch nach einer gänzlich neuen Hymne gescheitert.

«Aus voller Brust...»

Einmal wurde zum Auftakt einer Session die Landeshymne gesungen: 2003 als der Zürcher SVP-Politiker Max Binder erstmals im Sessel des Ratspräsidenten Platz nahm. «Der Rat sang die erste Strophe der Landeshymne, die deutsche Fassung schwang dabei obenaus», schrieb die sda damals.

»Aus voller Brust sangen besonders die Abgeordneten der SVP und der anderen bürgerlichen Parteien. Aus dem linken Lager tönte es klar verhaltener. Insgesamt erschallte die Hymne aber kräftig.»

Der Schweizerpsalm des Urner Paters Alberik Zwyssig datiert von 1841. 1981 beschloss der Bundesrat, ihn zur offiziellen Landeshymne zu erklären und das zur Melodie der britischen Hymne gesungene «Rufst Du mein Vaterland» abzulösen. Wegen der vier Strophenmotive «Morgenrot», «Abendglühn», «Nebelflor» und «wilder Sturm» wird die Hymne auch als«helvetischer Wetterbericht» verspottet.

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(sda/tke/vst)