Trotz weitreichender Sparbeschlüsse im griechischen Parlament zögern die internationalen Geldgeber mit schnellen Hilfszusagen. «Wir brauchen eine wirkliche Lösung, keine schnelle Lösung», sagte die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, in Brüssel.

Erhält Griechenland zwei Jahre zusätzlich für die Erfüllung von Sparauflagen, könnte Athen weitere 32,6 Milliarden Euro benötigen.

Diese Summe geht aus einem der Nachrichtenagentur AFP vorliegenden Entwurf des Troika-Berichts für den Fall hervor, dass die Regierung in Athen die Spar- und Reformauflagen der internationalen Gläubiger erst 2016 erfüllen muss.

Demnach könnten durch den Aufschub weitere 15 Milliarden Euro bis 2014 sowie 17,6 für die beiden zusätzlichen Jahre fällig werden. Grund für den möglichen Aufschub ist die schlechte Entwicklung der griechischen Wirtschaft.

Der seit Wochen verzögerte Troika-Bericht wurde von den Euro-Finanzministern im Beisein von IWF-Chefin Lagarde erstmals diskutiert. «Der Troika-Bericht ist im Grundton positiv, weil die Griechen ja wirklich geliefert haben», sagte Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker, der sich für einen Aufschub aussprach.

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Österreichs Finanzministerin Maria Fekter zeigte sich in der Frage zurückhaltend. «Mehr Zeit heisst auch mehr Geld», sagte sie. Sie könne sich nicht vorstellen, dass die Minister von den Steuerzahlern weitere Griechenland-Pakete forderten.

«Gründlichkeit muss sein»

Aus Verhandlungskreisen hiess es, dass eine Finanzierungslücke durch ein ganzes Bündel von Massnahmen gefüllt werden solle. Dazu gehörten etwa längere Laufzeiten für die griechischen Hilfskredite sowie eine Senkung der Zinsen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble betonte abermals, dass mit Entscheidungen über weitere Hilfen erst zu einem späteren Zeitpunkt zu rechnen sei: «Gründlichkeit muss sein.»

Das griechische Parlament hatte in der Nacht zum Montag einem Sparhaushalt für 2013 zugestimmt. Erst am Mittwoch hatte Regierungschef Antonis Samaras mit knapper Mehrheit ein milliardenschweres Kürzungspaket durchs Parlament gebracht. «Jetzt liegt es an uns zu liefern», sagte Juncker.

Bevor Griechenland aber mit einem schnellen Beschluss über die Auszahlung einer dringend benötigten Hilfstranche in Höhe von rund 31 Milliarden Euro rechnen kann, muss neben der Frage des zweijährigen Aufschubs und seiner Finanzierung auch geklärt werden, ob das Ziel aufgegeben wird, Griechenlands Schuldenstand schon im Jahr 2020 auf das als für das Land verkraftbare Mass von 120 Prozent seiner Wirtschaftskraft zu drücken. Darauf pocht besonders der IWF.

Euro-Gruppe verschiebt Entscheid

Die Euro-Gruppe schob die Entscheidung über die nächste Hilfstranche an Griechenland am Montagabend auf. Die Finanzminister der Währungsgemeinschaft würden ihre Beratungen darüber am 20. November fortsetzen, erklärte Euro-Gruppe-Chef Jean-Claude Juncker in Brüssel nach Abschluss des jüngsten Ministertreffens.

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Demnach verlangen die Währungspartner von der Regierung in Athen die Umsetzung einiger weiterer Zusagen, die vor Monaten im Gegenzug für ein zweites Hilfspaket gemacht wurden. Es handle sich nur um wenige, betonte IWF-Chefin Christine Lagarde. Auch müsse in den kommenden Tagen noch an der Beurteilung der Schuldentragfähigkeit des Landes gearbeitet werden, sagte sie.

(chb/sda)