Die zweiten Vorwahlen unter den US-Präsidentschaftsbewerbern hat die erwarteten Sieger hervorgebracht: Bei den Republikanern gewann der umstrittene Unternehmer Donald Trump, bei den Demokraten der linke Senator Bernie Sanders. Beide waren haushohe Favoriten. Der Sieg der beiden war schon unmittelbar nach Schliessung der Wahllokale am Dienstagabend (Ortszeit) auf den US-Fernsehsendern verkündet worden. Beide gelten als Aussenseiter in ihren Parteien und ihre Siege werden deshalb auch als Zeichen des Unmuts gegen die Parteieliten gewertet.

Nach Auszählung von gut zwei Drittel der Stimmbezirke kam der linke Senator Sanders bei der Vorwahl der Demokraten auf fast 60 Prozent. Die frühere Aussenministerin Hillary Clinton, die den Vorwahlauftakt vor einer Woche in Iowa noch hauchdünn für sich entschieden hatte, lag bei rund 39 Prozent. Bei den Republikanern holte Trump den Teilergebnissen zufolge gut 34 Prozent. Überraschend stark schnitt Ohios Gouverneur John Kasich ab, der mit 16 Prozent den zweiten Platz ansteuerte. Kasich präsentiert sich als gemässigter Konservativer, der die Staatsfinanzen sanieren und die Gräben zwischen den politischen Lagern in Washington zuschütten möchte.

Ted Cruz und Jeb Bush kämpfen um den dritten Platz

Um den dritten Platz rangen der erzkonservative Senator Ted Cruz mit 11,5 Prozent und Floridas Ex-Gouverneur Jeb Bush mit 11,2 Prozent. Cruz hatte vor einer Woche die erste Vorwahl gewonnen. Die Wählerschaft in New Hampshire gilt allerdings als weniger konservativ als in Iowa. Vor allem die evangelikalen Christen, unter denen Cruz viele Unterstützer hat, spielen hier eine geringere Rolle.

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Der Senator Marco Rubio lag den Teilergebnissen zufolge bei rund zehn Prozent und musste damit einen Rückschlag hinnehmen. In Iowa hatte Rubio mit gut 23 Prozent noch den dritten Platz belegt. New Jerseys Gouverneur Chris Christie holte in New Hampshire knapp acht Prozent, die Ex-Managerin Carly Fiorina gut vier Prozent und der frühere Neurochirurg Ben Carson etwa zwei Prozent.

«Die Leute wollen echte Veränderungen»

«Es ist einfach zu spät für die gleiche alte Establishment-Politik und Establishment-Wirtschaft», sagte Sanders in seiner Siegesrede. «Die Leute wollen echte Veränderungen.» Der 74-jährige selbsterklärte «demokratische Sozialist» kommt mit seiner Forderung nach einer gerechteren Einkommensverteilung vor allem bei jungen Wählern gut an. Angesichts des Einflusses reicher Wahlkampfspender in den USA will Sanders eine «politische Revolution» erreichen, um die Demokratie wieder in die Hände der Bevölkerung zu legen, wie er sagt.

Clinton räumte ihre Niederlage ein und sieht ihren Favoritenstatus zunehmend bröckeln. «Ich weiss, ich habe einiges zu tun, vor allem bei jungen Menschen», sagte die ehemalige First Lady und gab sich kämpferisch: «Jetzt werden wir diese Kampagne in das ganze Land tragen. Wir werden um jede Stimme in jedem Bundesstaat kämpfen.»

Clintons Wahlkampfmanager Robby Mook richtete den Blick auf die nächsten Vorwahlen in South Carolina und in Nevada. Ausserdem werde im März in einer Reihe von weniger ländlich geprägten Bundesstaaten abgestimmt, die stärker die «Vielfältigkeit» der Demokratischen Partei widerspiegeln. «Die Nominierung wird sehr wahrscheinlich im März gewonnen werden, nicht im Februar», erklärte Mook.

Rubios verunglückter TV-Auftritt

Trump zeigte in New Hampshire anders als in Iowa, dass er seinen Vorsprung in Umfragen auch in einen Wahlsieg ummünzen kann. «Wow, so schön», sagte er vor seinen Anhängern. «Wir werden Amerika wieder so grossartig machen, vielleicht grossartiger als je zuvor.» Der Immobilientycoon bekräftigte seinen Plan, an der Grenze zu Mexiko eine Mauer zu bauen.

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Marco Rubio, der in Iowa als Dritter überrascht hatte, zeigte sich von seinem Abschneiden enttäuscht. Er führte seine Niederlage auf einen verunglückten Auftritt bei einer Fernsehdebatte mit seinen republikanischen Mitbewerbern zurück. «Das wird mir nicht noch einmal passieren», sagte er.

Beide Parteien befinden in allen 50 Bundesstaaten über ihre Kandidaten, die im Juli offiziell gekürt werden. Die Präsidentschaftswahl findet am 8. November statt. Präsident Barack Obama von den Demokraten darf nach zwei Amtsperioden nicht erneut antreten.

(sda/gku)