Es gibt nach diesem historischen Wahlausgang etwas Positives zu berichten. Schlimmer kann es nicht werden. Das Programm, das Donald Trump im Wahlkampf bis zum Überdruss wiederholte, ist krud, widersprüchlich - und unrealistisch.

Handelsbarrieren aufbauen, die im eigenen Land zu höheren Preisen führen und damit zu sinkender Kaufkraft der eigenen Klientel - this will not happen. Und auch eine von Mexiko finanzierte Mauer an der Südgrenze wird es nicht geben, weil kein Mexikaner auch nur einen Peso dafür zahlen würde.

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Weil der Immobilientycoon in den letzten Monaten so viel Unsinn zum Besten gab, gingen liberale Wirtschaftsblätter wie das «Wall Street Journal» oder der «Economist» auf Distanz zum Republikaner, der einst als rechter Demokrat unterwegs gewesen war.

Amerikas Wähler haben den Reset-Knopf gedrückt

Die Unsicherheit und Volatiliät an den Märkten wird sich bald verziehen und der Pragmatismus der Amerikaner Einzug halten. Ja, die USA haben sich diese Woche wieder einmal neu erfunden, den Reset-Knopf gedrückt - und auf das Prinzip Hoffnung gesetzt.

Das war bei früheren Wahlen nicht anders: Mit dem jugendlichen John F. Kennedy zog der erste Katholik ins Weisse Haus ein, mit Ronald Reagan ein Filmstar, mit Barack Obama der erste Schwarze, der ein politischer Leichtfuss war. Ausgerechnet der Novize gewann haushoch gegen John McCain, einen Kriegshelden und mehrfach wiedergewählten Senator.

Nach seinem Wahlsieg glaubte Rechtsanwalt Obama ernsthaft, er könne das US-Präsidentenamt als Wochenaufenthalter erfüllen, als Pendler also, der montagmorgens mit American Airlines oder Jet-Blue nach Washington D.C. jettet und freitagabends zurück zur Familie in Chicago.

Mit demokratisch-angehauchten Plänen

Dass sich auch Trump im Weissen Haus neu erfinden wird und auf den erprobten Pragmatismus der Amerikaner setzt, liess er bereits in seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg anklingen. Er werde massiv in Amerikas Infrastruktur investieren, verkündete der President-elect, werde Strassen, Brücken und Schulen reparieren und so Tausende neue Jobs kreieren.

Er tönte nicht wie ein Hardcore-Republikaner, sondern eher wie ein keynesianisch beseelter Demokrat. Das Diktum hätte aus der Feder von Hillary Clintons Redenschreiber stammen können.

Übermut führt direkt ins Elend

Klar, ich bin ein Anhänger des Gridlock, jenes Zustandes, in dem sich die beiden grossen Volksparteien die Mehrheit im Kongress und im Weissen Haus aufteilen und ergo gezwungen sind, sich zu Kompromissen zusammenzuraufen - oder auf weitere Gesetze zu verzichten.

Aber selbst der von den Republikanern dominierte Kongress ist für den Republikaner Trump längst keine Lizenz zum Überbeissen. Dass Übermut ins Elend führt, hat Bill Clinton am eigenen Leib erfahren.

Seine byzantinische Gesundheitsreform – sie wurde massgeblich von Hillary Clinton formuliert – scheiterte kläglich. Und als Quittung für den Grössenwahn verloren die Demokraten in der nächsten Zwischenwahl die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Trump ist gewarnt.