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Trumps Kriegsrhetorik kommt bei Latinos nicht an

Nicolas Maduro: «Verrückte» Drohung des US-Präsidenten hilft ihm. Keystone

Die Drohung einer US-Intervention in Venezuela kommt in Lateinamerika nicht an. Freunde und Feinde von Präsident Maduro weisen einen Militäreinsatz zurück.

Veröffentlicht am 13.08.2017

US-Präsident Donald Trump hat mit seiner militärischen Drohung gegen das krisengeschüttelte Venezuela in ganz Lateinamerika Befremden ausgelöst. Verbündete sowie Kritiker des linken Präsidenten Nicolás Maduro wiesen eine Intervention am Wochenende zurück.

«Jetzt weiss die Welt: Jene, die gegen Maduro sind, streben nur ein militärisches Eingreifen des Imperiums an», sagte Boliviens Präsident Evo Morales, ein enger Verbündeter Venezuelas. Mit Kolumbien, Mexiko und Peru verurteilten aber auch die schärfsten Kritiker von Maduros sozialistischer Regierung Trumps Säbelrasseln. Aber auch Chile, Brasilien und Ecuador sprachen sich gegen eine Militärintervention aus.

Überraschende Aussage

Angesichts der Krise in Venezuela hatte Trump überraschend eine militärische Option ins Gespräch gebracht. «Wir haben viele Optionen für Venezuela, einschliesslich einer militärischen, falls nötig», sagte er am Freitag in seinem Feriendomizil in Bedminster im US-Bundesstaat New Jersey.

Maduro hatte zuletzt eine Verfassungsgebende Versammlung wählen lassen und damit das demokratisch gewählte Parlament faktisch entmachtet. Oppositionelle und zahlreiche Staaten werfen ihm vor, ein autoritäres Regierungssystem zu errichten.

«Ein Akt des Extremismus»

Von militärischen Planspielen oder auch nur konkreteren Überlegungen in Sachen Venezuela ist seitens der US-Regierung nichts bekannt. «Das Pentagon hat keine Befehle erhalten», zitierten Medien einen Sprecher des Verteidigungsministeriums. Venezuelas Verteidigungsminister Vladimir Padrino sagte zu Trumps Worten: «Das ist ein verrückter Akt, ein Akt des Extremismus.»

Kritik an Trumps Drohung kam auch aus den eigenen Reihen. «Der Kongress wird natürlich keinem Krieg in Venezuela zustimmen», sagte der republikanische Senator und einer von Trumps schärfsten innerparteilichen Kritikern, Ben Sasse, dem «Washington Examiner».

Venezuelas Regierung warf den USA imperialistische Bestrebungen vor und rief die lateinamerikanischen Länder zur Solidarität auf. «Das ist eine direkte Bedrohung des Friedens, der Stabilität, der Unabhängigkeit, der regionalen Einheit, der Souveränität und des Rechts auf Selbstbestimmung», sagte Aussenminister Jorge Arreaza am Samstag beim Verlesen eine Erklärung von Staatschef Maduro am Samstag.

Trumps Aussagen helfen Maduro

Analysten kritisierten, Trump spiele mit seiner Kriegsrhetorik der sozialistischen Regierung von Maduro in die Hände. Dieser warnt seit Monaten vor Interventionsplänen der USA und beschuldigt die Opposition, gemeinsam mit Washington gegen ihn zu konspirieren.

Kurz zuvor hatte sich Maduro noch um ein Gespräch mit Trump bemüht. Allerdings erteilte ihm das Weisse Haus eine Abfuhr. «Präsident Trump wird gerne mit dem Führer Venezuelas sprechen, sobald die Demokratie in diesem Land wiederhergestellt ist», hiess es in der Erklärung.

Grösster Abnehmer von Erdöl

Für Maduro ist die Abweisung und Veröffentlichung des ungewöhnlichen Vorgangs peinlich, weil sie ihn als Bittsteller dastehen lässt. Trotz aller Differenzen sind die USA der wichtigste Abnehmer von Erdöl, ohne die Exporte in die USA droht die Staatspleite. Nach dem derzeitigen Ölpreis importieren die USA für rund zehn Milliarden Dollar im Jahr Öl aus dem am Rande des Ruins stehenden Landes.

US-Aussenminister Rex Tillerson hatte zuletzt wiederholt betont, keine Option in Bezug auf Venezuela sei ausgeschlossen - da ging es aber eher um die Frage nach einem Importstopp für Öl aus Venezuela. Gegen mittlerweile über 20 Personen der Führungselite wurden Sanktionen verhängt, auch gegen Maduro.

125 Tote seit April

Unterdessen verschärfen sich auch die diplomatischen Spannungen in Südamerika. Peru wies den venezolanischen Botschafter aus. Die Antwort kam umgehend: Geschäftsträger Carlos Rossi, derzeit oberster peruanischer Diplomat in Venezuela, müsse ebenfalls ausreisen.

In Venezuela tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen der Regierung und der Opposition. Mindestens 125 Menschen wurden bei den politischen Unruhen seit Anfang April getötet.

(sda/gku)

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