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«Trumps Wirtschaftsplan ist ein Desaster»

Experten sind sich einig: Die wirtschaftspolitischen Pläne des Republikaners sind zum Scheitern verdammt. Ein Überblick über die wichtigsten Standpunkte von Donald Trump und Hillary Clinton.

Veröffentlicht am 09.08.2016

Seine Wirtschaftsrede sollte ein Befreiungschlag für Donald Trump werden. Artig las der Republikaner in Detroit sein Programm für den Fall eines Wahlsiegs vom Teleprompter ab. Etwa ein dutzend Mal wurde er von Gegnern unterbrochen – und blieb doch ruhig. Die zuletzt eingebüssten Umfragewerte dürfte der umstrittene Milliardär mit seiner wirtschaftspolitischen Grundsatzrede jedoch nicht wettgemacht haben. 

Im Gegenteil: 50 prominente Sicherheitsexperten der Republikaner warnten mit scharfen Worten vor einer Wahl Trumps zum US-Präsidenten. Trump würde «der rücksichtloseste Präsident der amerikanischen Geschichte sein», schrieben sie. In seiner Rede liess er zu viele Fragen offen: «Alles in allem ist Trumps Wirtschaftsplan ein Desaster», analysierte der libertäre Ökonom Jeffrey Miron bei CNN. Was Trump angeboten habe, sei traurigerweise weder neu noch ein kohärenter Plan, kommentierte die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Donald Trump und Hillary Clinton im Vergleich 

Besonders die geplante Abkehr vom Freihandel kritisierte Harvard-Ökonom Miron. «Und die wenigen vernünftigen Elemente der Rede – namentlich Steuerreform und Deregulierung – können den Schaden der anderen Vorstösse nicht glaubhaft aufwiegen.» 

Auch Volker Treier, Aussenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wertete Trumps gegen den Freihandel und entsprechende Abkommen als besonders problematisch: «Sie legen sozusagen die Axt an eine sinnvoll gestaltete Globalisierung», kritisierte Treier. «Man kann nicht glauben, dass das der Weg sein wird.»

Die Ankündigungen, die Steuern massiv senken zu wollen und zugleich Investitionen etwa in die Infrastruktur kräftig zu steigern, passen Treier zufolge nicht zusammen. «Es weiss keiner, wie die Steuersenkungen finanziert werden sollen.» Dem Konzept fehle der richtige Mix zwischen der Höhe der Steuersätze und der Höhe der Staatsausgaben.

Clinton: Trumps Pläne helfen nur den Reichen

Der Wahlkampfstab von Trumps Demokratischer Kontrahentin Hillary Clinton erklärte, Trumps Pläne würden Wohlhabenden und Konzernen helfen, Familien aus der Arbeiter- und Mittelschicht aber nicht. «Sie haben jetzt versucht, seine alten, müden Ideen neu klingen zu lassen», sagte die Ex-Aussenministerin auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida. Clinton will ihr Wirtschaftsprogramm am Donnerstag vorstellen.

Die Wirtschaftspolitik ist neben der inneren Sicherheit traditionell eines der wichtigsten Politikfelder im US-Wahlkampf. In Meinungsumfragen nennt eine Mehrheit der Befragten die Wirtschaft regelmässig als einen der drei Knackpunkte bei der Entscheidung für oder gegen einen Kandidaten. Die wesentlichen Standpunkte der Kandidaten Donald Trump und Hillary Clinton im Vergleich.

Donald Trump:     

  • Trump ist gegen internationale Handelsverträge - er will Abkommen wie die Transpazifische Handelspartnerschaft (TTP) oder auch ein amerikanisch-europäisches Abkommen (TTIP) am liebsten verhindern.     
  • Unternehmen sollen im Inland produzieren. Auslagerung in Billiglohnländer, wie von ihm selbst teilweise betrieben, soll erschwert werden.
  • Zur Ankurbelung der Wirtschaft verspricht er hohe Investitionen in die Infrastruktur, etwa ins Strassennetz und in Flughäfen.
  • Die Steuerpolitik will er so stark vereinfachen wie möglich, mit Erleichterungen sowohl für kleine Leute als auch Grosskonzerne. Das Konzept soll zum Teil durch Bürokratieabbau gegenfinanziert werden.  

Weitere Details zu Donald Trumps Plänen für die amerikanische Wirtschaft lesen Sie hier.

Hillary Clinton:    

  • Clinton, im Wahlkampf von ihrem Rivalen Bernie Sanders nach links gedrängt, setzt sich unter anderem für mehr Rechte der Arbeitnehmer ein - ein Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde soll kommen.
  • Sie will mehr Regulierung, unter anderem für die Pharmaindustrie, um die explodierenden Gesundheitskosten einzudämmen.    
  • Die ehemalige Aussenministerin hat sich in ihrer Überzeugung von fossilen Energieträgern wie Kohle verabschiedet und favorisiert Investitionen in neue Energieformen wie Sonne und Wind. Sie will vom Kampf gegen den Klimawandel wirtschaftlich profitieren.   
     
  • Clinton geht davon aus, dass für eine prosperierende US-Wirtschaft ein besseres Bildungssystem nötig ist, einschliesslich eines bisher fehlenden Berufsbildungssystems. 

(moh, mit sda, reuters)

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