Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras verbindet seine politische Zukunft mit dem Ergebnis des Referendums über die umstrittenen Sparauflagen der Geldgeber. Die linksgerichtete Regierung in Athen werde bei der Volksabstimmung am Sonntag zwar ein «Ja» der Bevölkerung respektieren. «Wir werden aber nicht diejenigen sein, die sie ausführen», erklärte Tsipras am Montagabend.

Mit der Ankündigung für ein Referendum hat er die Gläubiger brüskiert. Daraufhin entschieden diese, das aktuelle Hilfsprogramm nicht - wie von Tsipras gewünscht - um einige Tage zu verlängern. Hellas-Banken mussten schliessen, der Kapitalverkehr wurde eingeschränkt. Am Dienstag wird Griechenland aller Voraussicht nach eine wichtige Zahlung an den Internationalen Währungsfonds nicht leisten können - und damit in die Pleite rutschen.

«Mein Telefon ist den ganzen Tag an»

Tsipras sagte, er stehe bereit, die Verhandlungen mit den europäischen Partnern wieder aufzunehmen. Sollten sie noch am Montag ein Angebot unterbreiten, werde Griechenland seine am Dienstag anstehenden Zahlungsverpflichtungen erfüllen. «Mein Telefon ist den ganzen Tag an. Wer immer auch anruft, ich nehme immer ab».

Im griechischen Fernsehen forderte er seine Landsleute auf, den Spar- und Reformforderungen der Gläubiger eine Absage zu erteilen. Je stärker das «Nein» ausfalle, desto besser werde die Position Griechenlands in darauffolgenden Verhandlungen sein. Mindestens 20'000 Anhänger der Regierung demonstrierten am Montag für die Politik von Tsipras. Er argumentiert, Auflagen wie etwa Rentenkürzungen wären unsozial und würden die schlechte Wirtschaftslage noch verstärken. Die Gläubiger fordern dagegen Strukturmaßnahmen, um das Land langfristig wettbewerbsfähiger zu machen.

EZB-Direktor schliesst «Grexit» nicht aus

Angesichts der gescheiterten Schuldengespräche mit Griechenland schließt EZB-Direktoriumsmitglied Benoit Coeure ein Ausscheiden des Landes aus dem Euro nicht aus. Dies sei möglich, wenn auch nicht das, was die Europäische Zentralbank (EZB) wolle, sagte er in einem am Montagabend veröffentlichten Interview der französischen Zeitung «Les Echos».

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Es ist das bislang deutlichste Eingeständnis eines führenden EZB-Vertreters, dass der sogenannte Grexit näher rückt. Wegen den gescheiterten Verhandlungen waren die Finanzmärkte am Montag weltweit eingebrochen.

(reuters/dbe/chb)